Struktur und Auftrag
In der deutschsprachigen Theaterlandschaft stellt das BERLINER ENSEMBLE durchaus eine Besonderheit dar.Die Rechtsstruktur
Das BERLINER ENSEMBLE ist seit 1992 eine gemeinnützige GmbH. Claus Peymann ist alleiniger Gesellschafter. In dieser Funktion beruft er den Intendanten und die Geschäftsführer. Derzeit wird das BE von Claus Peymann selbst als Intendant und alleinvertretendem Geschäftsführer sowie von Miriam Lüttgemann als kaufmännischer Geschäftsführerin geleitet. Laut Gesellschaftsvertrag hat die BERLINER ENSEMBLE GmbH zum Ziel, „das Theater privatwirtschaftlich zu führen und ... uneigennützig“ zu betreiben.Die Finanzierung
Zur Erfüllung dieser Aufgaben besteht mit dem Land Berlin eine Vereinbarung, dass die GmbH „durch Zuwendungsbescheide so ausgestattet wird, dass sie in der Lage ist, das Haus am Schiffbauerdamm zu betreiben“. Mit anderen Worten: Berlin subventioniert das BE zur Zeit mit jährlich 10,6 Millionen Euro. Da die Geschäftslage des BERLINER ENSEMBLES sich überaus erfolgreich und glücklich entwickelt hat, hat die „Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin“ entgegen der im Vertrag zwischen dem Land Berlin und Claus Peymann in Aussicht gestellten regelmäßigen Unterstützung in den letzten Jahren immer wieder die jährlichen Zuschüsse teilweise ausgesetzt. Die gewährten Zuschüsse waren stets ungewöhnlichen und besonderen Eregnissen der Theaterarbeit des BE vorbehalten, die ohne diese Hilfe nicht zustandgekommen wären. Als Beispiele seien genannt: das BRECHT-FEST im Jahre 2006, die Inszenierung von Brecht/Weills DREIGROSCHENOPER in der Regie von Robert Wilson, das politisch wichtige Gastspiel mit dieser Inszenierung in Tel Aviv – einer Anregung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und der Stadt Tel Aviv folgend – und zuletzt die ehrende Erinnerung an großen Berliner Dramatiker Thomas Brasch.Der jährliche Gesamthaushalt beträgt derzeit ca. 15,4 Millionen Euro. Neben den öffentlichen Subventionen erzielt das BE einen großen Anteil seines Budgets aus den Vorstellungseinnahmen. Im Jahr 2007 waren dies 4,3 Millionen Euro. Mit 243.858 Zuschauern (davon über 20% Schüler und Studenten) in 2007 und einer Platzausnutzung von über 86 % nimmt das BE den Spitzenplatz unter allen Berliner Theatern ein.
Das Theatergebäude am Schiffbauerdamm
Eine weitere Besonderheit ist, dass das historische Gebäude Theater am Schiffbauerdamm weder dem BE noch dem Land Berlin, sondern der Ilse-Holzapfel-Stiftung gehört. Von ihr hat das Land Berlin das Theater gemietet und stellt es dem BE zur Verfügung. Dieser Mietvertrag hat eine Laufzeit von 30 Jahren.Präambel des Mietvertrags
In der Präambel des Mietvertrages werden die Aufgaben des BE nochmals und genauer beschrieben: „Das BERLINER ENSEMBLE zählt zu den renommiertesten und traditionsreichsten Bühnen Deutschlands und hat sich in der Vergangenheit ... der Rezeption von Werken klassischer und zeitgenössischer Autoren im Geiste des politisch-gesellschaftskritischen Theaters verpflichtet. Berlin ist bestrebt, das BERLINER ENSEMBLE an seinem Stammsitz zu erhalten und dabei zu unterstützen, in seiner Tradition als bedeutende deutsche Bühne weiterarbeiten zu können.“Der Mietvertrag zwischen Berlin und der Stiftung enthält zwei weitere Besonderheiten. So kann die Ilse-Holzapfel-Stiftung in den Theaterferien ein selbst finanziertes Gastspiel anbieten und das BERLINER ENSEMBLE verpflichtet sich, zwischen dem 16. und 18. Oktober mit seinem Spielplan an die Deportation der Berliner Juden zu erinnern, die in jenen drei Tagen im Jahr 1941 ihren Anfang nahm - gegebenenfalls mit einer Aufführung von Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ oder mit anderen Stücken, die thematisch dieses historischen Ereignisses gedenken.