Bertolt BrechtSCHWEYK IM ZWEITEN WELTKRIEG von Bertolt Brecht
SCHWEYK IM ZWEITEN WELTKRIEG
SCHWEYK IM ZWEITEN WELTKRIEG
Foto: Marcus Lieberenz
„Der brave Soldat Schweyk, der bereits den ersten Weltkrieg überlebt hat, ist noch am Leben und unsere Geschichte zeigt seine erfolgreichen Bemühungen, auch den zweiten Weltkrieg zu überleben, Natürlich sind die Ideen und Pläne der neuen Herrscher noch größer und totaler als die der alten und so hat es der kleine Mann heute noch schwerer, halbwegs am Leben zu bleiben“ – Mit diesen Worten beginnt die Fabel vom Hundefänger und Überlebenskünstler Schweyk, die Brecht im amerikanischen Exil schrieb. 1939 marschiert Hitler in die Tschechoslowakei ein.

Widerstand ist zwecklos. Auch die Stammgäste im „Kelch“ in Prag halten Wegducken und Kuschen für das beste Mittel, die deutsche Besatzung zu überstehen. Auch Schweyk entscheidet sich fürs Mitmachen. Aber seine Art, zuzustimmen und sich zu unterwerfen, irritiert Freund und Feind, sie scheint vergiftet. Listig oder dumm? Das ist die Frage. Jedenfalls hat Schweyk es raus, wie man überlebt. Nach dem Krieg um sechs sitzt er wieder im „Kelch“.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine.
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Nachdem die Gestapo im Wirtshaus „Zum Kelch“ in Prag eine Razzia gemacht und die Wirtin zusammengeschlagen hat, singt die Geschlagene dieses Lied – Trost in schlimmen Zeiten und voller Hoffnung auf Veränderung.

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Schweik
in the Second World War

by Bertolt Brecht

"The good soldier Schweik, who already survived World War One, ist still alive, and our story shows his successful attempt to also survive the Second World War. Of course, the ideas and plans of the new rulers are bigger and more extensive as the old ones, thus making it harder for the little man of today to even barely survive." With these words begins the story of the dog-catcher and survival artist Schweik, which Brecht wrote during his American exile. In 1939 Hitler invaded Czechoslovakia.

Resistance is futile. The regular guests at the "Chalice" in Prague consider ducking down and kowtowing to the German occupying forces the best way to endure. Schweik, too, decides to participate. But there is something in the way he agrees and surrenders that irritates friends and foes, for it seems poisoned. Is it cunning or stupid? That is the question. At any rate, Schweyk has found a way to survive. At six o clock after the war, he is back in the "Chalice".
Deep down in the Moldau the pebbles are shifting

In Prague three dead emperors moulder away.

The top can`t stay top while the bottom is lifting

The night has twelve hours and then comes the day!

After a razzia by the Gestapo in the tavern "The Chalice", where they beat up the landlady, the battered woman sings this song – consolation during bad times and full of hope for a change.