Gotthold Ephraim LessingMISS SARA SAMPSON von Gotthold Ephraim Lessing
Ein bürgerliches Trauerspiel
Bearbeitung Günter Krämer
Mit: Corinna Kirchhoff (Marwood, Mellefonts alte Geliebte), Michael Abendroth (Mellefont), Anna Graenzer (Miß Sara Sampson)

Anna Birkner/Wilhelmina Mischorr (Arabella, ein junges Kind, der Marwood Tochter)

Inszenierung: Günter Krämer
Bühne: Herbert Schäfer
Kostüme: Falk Bauer
Dramaturgie: Hermann Wündrich
Licht: Ulrich Eh


"Corinna Kirchhoff lässt auf ihrem zauberisch wandelnden Gesicht die Züge aller möglichen Wesen erscheinen: vom traurigen Kind bis zur strengen Domina, von der bösen Hexe bis zum Kopf ruckenden Geier ist alles dabei."
Der Tagesspiegel

Dauer: 1 h 50 Minuten (ohne Pause)

MISS SARA SAMPSON
MISS SARA SAMPSON
Anna Graenzer, Corinna Kirchhoff;
Michael Abendroth, Corinna Kirchhoff

Fotos: Sonja Rothweiler
Das Theater in Frankfurt/Oder kündigt für den Mai 1755 eine Uraufführung an. Der Autor ist ein 26 jähriger Journalist aus Berlin. Sein Name: Gotthold Ephraim Lessing. Lange vor der Premiere, bevor jemand das Stück überhaupt gesehen hat, weiß der Theaterkritiker schon Bescheid und fragt scheinheilig: „Ein bürgerliches Trauerspiel! Mein Gott! Was soll daraus werden?“ Aber in diesem Fall ist der Verfasser dieser Vorauskritik der Autor, Lessing selbst. Er will provozieren, wenn auch anonym. Seine Polemik soll die Erwartungen anheizen. Das gelingt. Die Premiere ist ein Erfolg. Ein Freund Lessings berichtet – Lessing selbst schaute sich die Aufführung nicht an - von der Erschütterung, die die Aufführung hervorrief: „Die Zuschauer haben drey und eine halbe Stunde zugehört, stille gesessen wie Statüen, und geweint.“ Während Lessing nicht aufhören kann, sein Werk zu kritisieren: „Es ist ein wenig zu lang, und man verkürzt es besser auf den Bühnen“, macht das Stück seinen Weg über die europäischen Bühnen.

Blind vor Liebe katapultiert sich die junge Sara Sampson aus ihrem bürgerlichen Leben. Sie brennt durch. Sie ist ihrem Geliebten, dem etwas zweifelhaften Mellefont, in ein abgelegenes Hotel gefolgt. Der Mann zögert die versprochene Ehe immer wieder hinaus. Schließlich hat er Hals über Kopf seine Geliebte und Mutter seiner Tochter verlassen. Die Gedemütigte reist hinterher und fällt wie eine Furie über das neue Paar her. Es kommt zu einem Show-down.

Kaum ist das Bürgertum im Zeitalter der Aufklärung zu einem eigenverantwortlichen Selbstbewusstsein erwacht, stellt Lessing es auf die Probe. Er treibt sein Publikum in die Abgründe, die zwischen Gefühl und Verstand sich auftun.

Nach NATHAN DER WEISE, DIE JUDEN und PHILOTAS ist MISS SARA SAMPSON ein weiters Stück Lessings auf dem Spielplan des BE.drucken