GOTT DES GEMETZELS, DERDER GOTT DES GEMETZELS von Yasmina Reza
GOTT DES GEMETZELS, DER
Michael Maertens (Alain Reille), Corinna Kirchhoff (Annette Reille), Dörte Lyssewski (Véronique Houillé), Tilo Nest (Michel Houillé)
Foto: Matthias Horn
Zwei Jungs haben sich geprügelt und der eine hat dem anderen einen Zahn ausgeschlagen. Nun treffen sich die Eltern, um in aller Ruhe und vernünftig über den Vorfall und die Konsequenzen für die beiden Buben zu sprechen. Aber es ist gar nicht so einfach herauszufinden, wer der Schuldige ist, wer den Streit angezettelt hat. Und sind nicht gar Alain und Annettes Eheprobleme Auslöser für das ruppige Verhalten ihres Sohnes? Die Situation zwischen den Paaren wird immer angespannter. Nach und nach offenbaren sich immer neue Details ihres angeblichen harmonischen Familienlebens. So hat Michel den Hamster seiner Tochter heimlich ausgesetzt und der Anwalt Alain telefoniert ständig, weil er einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsschädlichen Medikament vertritt. Aus Sticheleien werden Wortgefechte, die sogar in Handgreiflichkeiten münden. Und so nimmt der Nachmittag unter zivilisierten Menschen unserer westlichen Gesellschaft einen, gelinde gesagt, unangenehmen Verlauf.

Was wir sehen, ist der Traum jedes Theaters. Die Erfolgsautorin Reza trifft auf Jürgen Gosch, den Regisseur, der seit ein paar Jahren reihum entzückt. Maertens, Kirchhoff, Nest und Lysssewski spielen völlig entfesselt. Die Widererkennung ist gross, das Störpotenzial klein, der Glamoureffekt riesig. Eine Uraufführung, ein She-Star, ein Könner, vier Top-Schauspieler. Ein langer Applaus.
Tages-Anzeiger

Dem Regisseur Jürgen Gosch ist zusammen mit vier hochkarätigen Menschendarstellern das Kunststück gelungen, uns, dem Publikum, einen nur ganz leicht verzerrten Spiegel vorzuhalten, in dem wir unsere Verhaltensmuster wieder erkennen – und daran unseren Spaß haben.
Deutschlandfunk

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