FAUST. FRAGMENT 1911FAUST. FRAGMENT 1911 von Georg Heym
Eine Montage von Manfred Karge
Uraufführung
Mit: Judith Strößenreuter (Die Freundin / Dame), Laura Mitzkus (Die Jungfrau Maria / Dame), Peter Luppa (Der Neger), Michael Kinkel (Der Arzt / Der Scharfrichter), Alexander Ebeert (Der Beamte / Der Bäckermeister), Heinrich Buttchereit (Der Amtsrichter / Der Mormone), Johanna Griebel (Das junge Weib), Andy Klinger (Der Student), Patrick Bartsch (Der Teufel), Maggy Domschke (Die Mutter / Dame)

Regie und Bühne: Manfred Karge
Kostüme: Julia Rogge
Musik: Joe Bauer
Lieder: Tobias Schwencke
Dramaturgie: Dietmar Böck
Licht: Steffen Heinke

"Es ist eine Reise, die Karge inszeniert - mit Heym als Faust, dem Stürmer und Dränger, den doch Anfälle von Apathie schütteln. Sie geht, eine einzige Walpurgisnachtszenerie lang, durch den schrillen Lunapark (Europas größter Vergnügungsmeile) mitten hinein ins Herz der Finsternis in einer vor Banalität brüllenden Zeit. Der Dichter, die Todes- und Verwesungsbilder eines Zeitalters vorwegnehmend, sucht verzweifelt nach Rettung." (Gunnar Decker in NEUES DEUTSCHLAND)

Dauer: 1 h 20 Minuten (ohne Pause)

FAUST. FRAGMENT 1911
FAUST. FRAGMENT 1911
FAUST. FRAGMENT 1911
Der Student (Andy Klinger);
Die Freundin (Judith Strößenreuter) und Der Student (Andy Klinger);
Der Teufel (Patrick Bartsch) und Die Jungfrau Maria (Laura Mitzkus)

Fotos: Barbara Braun
Zum 100. Todestag Georg Heyms hat Manfred Karge Heyms Entwurf zu einem FAUST-Drama aus dem Jahr 1911 (gerade einmal 2 1/2 Druckseiten lang) zusammengebracht mit Tagebuchaufzeichnungen, Entwürfen, Gedichten und Traum-Notaten des frühvollendeten Dichters.
Ein Jahrmarktsbuden-Teufel aus dem Luna-Park geleitet Heyms Faust, einen Studenten, den sein "brachliegender Enthusiasmus" zu ersticken droht, auf eine irrlichternde Reise durch Berlin, auf den Mond und schließlich in die Hölle...

"Kam man damals zu ihm, saß er vor offenem Fenster auf einem Tisch, bekleidet nur mit roter Jakobinermütze und einer Schärpe quer über der breiten behaarten Brust, dichtete Revolutions- und Abendlieder." So erinnert sich Erwin Loewenson an Besuche bei seinem Freund, dem jungen Dichter und Juristen wider Willen Georg Heym. Vom Vater zum Jurastudium genötigt, träumt der junge Kammergerichtsreferendar Heym im Grundbuchamt Lichterfelde von einer diplomatischen Karriere im fernen China, von einer Laufbahn als Kürassierleutnant, von Eroberung, Revolution und natürlich vom literarischen Ruhm. "Ruhm?" hatte sein Freund Loewenson ihn gefragt: "Da setzte er sich zunächst auf eine Bank und wurde ganz ruhig, wie ein Herr, der sein Allerintimstes mitteilt: Das will ich Ihnen sagen: das brauch` ich nur wegen viel Frauenliebe..."
Am 16. Januar 1912 unternimmt der erst 24jährige Heym mit seinem Freund Ernst Balcke eine Schlittschuhpartie auf der Havel. Die beiden stürzen in ein von Schnee verwehtes Eisloch. Beim vergeblichen Versuch, den ertrinkenden Freund zu retten, gerät Heym unters Eis und ertrinkt.

"Eine Kleine Kostbarkeit ist entstanden. ... So bleibt das Bild des jungen Heym tauglich für so manche Phantasie auch ein Jahrhundert danach. ... Fabelhaft und voll Vergnügen anzuschauen. " (Deutschlandradio)drucken