MEHR DRAMA!

Das Autoren-Programm des Berliner Ensembles

Mittlerweile gerät die Fachwelt des Theaters in einen erbitterten Richtungsstreit, wenn sie über "Drama", über Stücke mit Figuren und Geschichten spricht. Meist gipfelt dieser in der Frage nach Repräsentation von Welt, die Brecht wollte und Heiner Müller bezweifelte. Die Welt sei zu komplex, als dass sie in dramatischer Form auf die Bühne gebracht werden könne – das Drama sei tot. Komischerweise lebt es aber immer noch. Unter anderem auch im Film und manchmal im Kern bestimmter Romane. Zudem stellt sich die Welt immer antagonistischer, radikaler und gespaltener dar. So eine Welt entzieht sich nicht der Form des Dramas, nein, sie entspricht ihr. Und wir wollen viele Dramen.

Das Autoren-Programm soll dabei helfen, indem es AutorInnen früher und näher mit dem Theater verbindet. Dabei stellt es die Ressourcen und Kompetenzen des Theaters bereit, die für die Erarbeitung eines Bühnenstücks hilfreich sein könnten, zum Beispiel SchauspielerInnen, RegisseurInnen, DramaturgInnen oder Probenräume. Es können Ideen, Skizzen diskutiert und erste Fassungen in szenischen Lesungen erprobt werden, um das entstehende Stück erstmals über seine Schriftform hinaus spielerisch auszumessen.

Das Autoren-Programm ist kein Förderprogramm für junge, unentdeckte Dramatik. Es beinhaltet sowohl erfahrene, etablierte DramatikerInnen als auch eine Auswahl von AutorInnen, RomanschriftstellerInnen oder FilmautorInnen, deren Stoffe, Phantasie und Begabung eventuell auch auf das Drama zu übertragen sind.

Seit September 2017 arbeiten wir mit AutorInnen aus den Bereichen Prosa, Film und Drama an der Entwicklung von neuen Stücken. In der Spielzeit 2018/19 werden nun die ersten Stücke des Autoren-Programms zu sehen sein: Mario Salazars Stück "Amir", das die Geschichte dreier krimineller Brüder in Neukölln erzählt, deren palästinensischer Vater sich ein Familienleben in Berlin erhoffte, nachdem er einem Flüchtlingslager im Libanon entkommen ist. Ebenso wird das Stück "Kriegsbeute" des Autorenduos Burhan Qurbani/Martin Behnke zu sehen sein, in dem sich die Familiendynastie eines Rüstungskonzerns mehr und mehr selbst bekriegt, sobald sich der nahende Tod des Familienoberhaupts abzeichnet.