In wechselnden Rollen erzählen die Schauspielerinnen und Schauspieler gemeinsam die Geschichte eines Menschen, nennen wir sie Fred, in sieben Stationen. Es sind Momentaufnahmen, in denen sich starke Emotionen und grundlegende Fragen zu einem dramatischen Augenblick des Lebens verdichten: Geburt, Kindheit, erste Liebe, Hochzeit, Trennung, Alter, Tod.
In "Die Parallelwelt" verlaufen die Geschichten in beiden Städten jedoch nicht parallel, sondern gegenläufig. Berlin erzählt von der Geburt bis zum Tod und Dortmund umgekehrt.
 
Spätestens in der Mitte dieses Lebens jedoch, wenn sich während Freds Hochzeit ein Wurmloch in der Raumzeit auftut und die beiden Festgesellschaften sich selbst gegenüberstehen, geraten endgültig alle Sicherheiten über unser Dasein ins Schwanken. Die klassischen Naturgesetze spielen verrückt, die Bilder der Wirklichkeit beginnen zu tanzen.
 
Doch was ist wirklich? Alles was sich messen lässt? Welche anderen Wirklichkeitsräume gibt es und welchen Einfluss haben sie auf unser Leben? Was ist mit Traum und Fantasie? Welche Rolle spielen Gedanken und Vorstellungen? Erschaffen wir die Welt in unserer Vorstellung oder können wir uns nur vorstellen, was der Fall ist? Was aber ist der Fall? Und für wen? Und wo? Welche Wirklichkeitsräume teilen wir mit wem genau, seit die digitalisierte Welt gefühlt auf einen Punkt zusammengeschrumpft und zum globalen Dorf geworden ist, in der es keine Abstände mehr gibt?
 
Und was wäre, wenn die uns bekannte Welt mit ihren Menschen und Dingen irgendwo im Universum mindestens ein zweites Mal existierte? Und zwar in großer Ähnlichkeit? Was wäre, wenn also all die großen, intensiven Momente im Leben nicht durch ihre Unverwechselbarkeit glänzten, sondern sich gleichen würden wie unterschiedlich hergestellte Kopien? Gibt es ein Entkommen aus vor- und nachgelebten Mustern? Welche Alternativen hätten wir gehabt? Was würde es bedeuten, wenn es uns mehrfach gäbe in jeder möglichen anderen Ausführung und Situation? Wenn wir davon ausgehen müssten, dass Paralleluniversen existierten?
 
Nach "Das Goldene Zeitalter" und "Die Borderline Prozession" (eingeladen zum 54. Berliner Theatertreffen 2017) entwickeln Kay Voges, Alexander Kerlin, Eva Verena Müller und Team wieder gemeinsam einen Theaterabend, der die Ränder des Erzählens auslotet und die Grenzen zwischen Theater, Film und Netz niederreißt – diesmal in Koproduktion und als Parallelaufführung zwischen dem Berliner Ensemble und dem Schauspiel Dortmund.