Die griechischen Dramen Lysistrata (Aristophanes), Die Troerinnen und Die Bakchen (beide von Euripides) inspirierten Simon Stone zu seinem neuen Projekt für das Berliner Ensemble. Die drei Dramen verbindet die Auseinandersetzung mit Themen zur Geschlechterfrage, modern gesprochen zu Gender und Sex. Eine griechische Trilogie befragt anhand der griechischen Dramen die Geschichte des weiblichen Widerstands: von der Sexkomödie in Lysistrata, über die Schrecken in Die Troerinnen, bis zur Katharsis der explosiven Rache in Die Bakchen. Die Inszenierung besteht aus drei neuen Erzählungen, von denen eine von einer weiblichen Besetzung, eine andere von einer männlichen und die dritte vom gesamten Ensemble gespielt wird.

Simon Stone hat Themen und Figurenkonstellationen, Problem- und Fragestellungen der antiken Tragödien in die Gegenwart transformiert und lässt in seiner Trilogie Männer und Frauen in grotesken, tragischen, schmerzgeprägten und komischen Beziehungen aufeinandertreffen. Stone nimmt eine Tiefenbohrung auf dem Theater vor, indem er die Stoffe, die Themen und die Beteiligten befragt, was sich seit der Antike in der Gesellschaft und in der Kunst wesentlich verändert hat.

Wenn wir bereits – so eine Fragestellung – im antiken Theaterso komplexe, autonome und befreite Frauenfiguren schaffen konnten, was ist dann zwischenzeitlich schiefgelaufen? Sind die letzten zweieinhalb Jahrtausende ein Rückfall in Repression und Kontrolle? Und wenn es bereits in der griechischen Antike gelungen ist, Heldinnen zu schaffen, was hält uns so langanhaltend davon ab? • Sabrina Zwach