Mit Amir hat Mario Salazar die Geschichte eines Neuköllner Migranten in ein Drama gegossen. Dieses erzählt von Amirs ambivalenten Sehnsüchten und Möglichkeiten – als staatenloser Flüchtling in einer Schleife der Dauerduldung gefangen – einen Platz in der deutschen Gesellschaft zu finden. Seine Begegnung mit Hannah, die in ihm nicht den Migranten, sondern den Menschen sieht und sich in ihn verliebt, weckt in Amir die Sehnsucht nach Geborgenheit und Bürgerlichkeit und verändert seinen Blick auf sein Dasein als Neuköllner Kleinkrimineller.
Die Regisseurin Nicole Oder, beauftragt mit der Inszenierung von Amir, macht seit knapp zehn Jahren Theater zu migrantischen Themen am Heimathafen Neukölln. Sie arbeitet in offenen, durchlässigen Prozessen, die in hohem Maße mit den Fragen, Bedürfnissen und Haltungen aller Beteiligter umgehen. Diese Arbeitsmethode der Regisseurin war auch der Grund, sie und das Stück miteinander zu verbinden. Nicole Oder hat sich in der Auseinandersetzung mit dem Stück gemeinsam mit dem Ensemble dessen Thematik weiter angenähert, dabei aber sukzessive vom vorliegenden Theatertext entfernt. Die Inszenierung Amir geht vom Drama von Mario Salazar aus und verhandelt dessen Motive und Konflikte, die v.a. in neu vom Ensemble geschriebenen Dialogen und Szenen auf die Bühne gebracht werden.

Von Clara Topic-Matutin