Nikolai ErdmanDER SELBSTMÖRDER
Eine satirische Komödie von Nikolai Erdman
Aus dem Russischen von Thomas Reschke
Mit: Georgios Tsivanoglou (Semjon Semjonowitsch Podsekalnikow, ein arbeitsloser Kleinbürger), Hanna Jürgens (Maria Lukjanowna, seine Frau / Eine Alte), Carmen-Maja Antoni (Serafima Iljinischna, seine Schwiegermutter), Joachim Nimtz (Alexander Petrowitsch Kalabuschkin, Schießbudenpächter), Anke Engelsmann (Margarita Iwanowna Pereswetowa, Angestellte im Restaurant des Vergnügungsparks), Veit Schubert (Aristarch Dominikowitsch Grand-Skubik, ein Vertreter der alten russischen Intelligenz), Luca Schaub (Jegor Timofejewitsch, ein fortschrittlicher junger Mann), Martin Schneider (Viktor Viktorowitsch, ein volkstümelnder Dichter), Michael Kinkel (Nikifor Arsentjewitsch Pugatschow, ein selbständiger Fleischer), Ursula Höpfner-Tabori (Vater Elipidus, ein russisch-orthodoxer Priester), Annemarie Brüntjen (Kleopatra Maximowna, die nach romantisch verblümter Liebe verlangt), Judith Strößenreuter (Raissa Filippowna, ihre Rivalin, die nach unverbrämter Liebe verlangt), Felix Tittel (Kostja / Madame Sophie, Schneiderin / Ein Mann vom Bestattungsinstitut / Eine zweifelhafte Gestalt), Matthias Mosbach (Sinka / Henrietta Stepanowna, Modistin / Ein Mann vom Bestattungsinstitut / Eine zweifelhafte Gestalt), Marina Senckel (Doppelbesetzung Raissa Filippowna, ihre Rivalin, die nach unverbrämter Liebe verlangt )

Timofey Sattarov (Akkordeon),
Philipp Kullen (Schlagzeug)

Inszenierung, Bühne, Musik:
Jean Bellorini
Künstlerische Mitarbeit und Kostüme:
Camille de la Guillonnière
Mitarbeit Kostüm: Wicke Naujoks
Dramaturgie: Dietmar Böck,
Miriam Lüttgemann
Licht: Jean Bellorini, Ulrich Eh

Dauer: ca. 2h (ohne Pause)



DER SELBSTMÖRDER
DER SELBSTMÖRDER
DER SELBSTMÖRDER
Georgios Tsivanoglou;

Georgios Tsivanoglou, Hanna Jürgens, Carmen-Maja Antoni;

Ursula Höpfner-Tabori, Annemarie Brüntjen, Georgios Tsivanoglou, Anke Engelsmann, Joachim Nimtz, Hanna Jürgens;

Fotos: Lucie Jansch
Semjon hat sein armseliges Leben satt. Als sich herumspricht, daß er sich erschießen will, wird er plötzlich von Vielen umschwärmt. Wenn schon sterben, dann wenigstens für eine große Idee: für den Kommunismus, die Religion, die Liebe... Doch als potenzieller Selbstmörder gerät Semjon plötzlich in einen mitreißenden Strudel überraschender Interessenkonflikte. Fazit: „Genossen, ich will nicht sterben: nicht für euch, nicht für die andern, nicht für die Klasse, nicht für die Menschheit, nicht für meine Frau. Im Leben könnt ihr mir alle lieb, nahe, verwandt sein. Angesichts des Todes aber, was kann mir da lieber, näher, verwandter sein als meine Hand, mein Bein, mein Bauch? Ich bin verliebt in meinen Bauch...“

Nikolai Erdmans urkomische, bitterböse Farce wurde in der jungen Sowjetunion 1932 noch vor der Premiere verboten und trug dem vielversprechenden Jungdramatiker eine dreijährige Verbannung ein...

Als eine der großen Hoffnungen des französischen Theaters wurde der 34-jährige Pariser Regisseur, Bühnenbildner und Musiker Jean Bellorini 2014 zum Leiter des berühmten Théâtre Gérard Philipe in Saint-Denis bei Paris berufen. Erdmans SELBSTMÖRDER ist Bellorinis erste Arbeit in Deutschland. „DER SELBSTMÖRDER ist ein Stück über den Sinn des Lebens, über die Notwendigkeit, seiner Existenz einen Sinn zu geben.“ (Jean Bellorini).

"Georgios Tsivanoglou ist dieser Selbstmörder... er stiert verblüfft, tanzt geschmeidigst auf dem Tisch, ist Verdutztheit und greinender Quälgeist, ist fieser Familientyrann und knopfäugiger Fantast – dieser unaufhörlich rotierende, sympathisch schwerfällige, dann plötzlich todeserschrocken sinnende Komödiant gibt die Groteske eines Prahlers und entdeckt hinter all der prustenden, plautzenden Lächerlichkeit doch einen leisen, berührenden Trotz."
Neues Deutschland

"Die Stärke der Inszenierung besteht vor allem darin, dass sie nah am Tempo, am Wortwitz, aber auch an der politischen Kritik und philosophischen Sprengkraft des Stücks bleibt." Der Tagesspiegel

"Carmen-Maja Antoni, die legendäre „Mutter Courage“, ist eine unwiderstehlich überdrehte Schwiegermutter. Mit Schauspielern dieser Güte kann Jean Bellorini ohne Vorwarnung von der Burlesque ins Tragische wechseln, uns zum Lachen zu bringen und zum Erstarren... Die Szene des letzten Banketts, gespielt als makabre Kabarett-Nummer vor dem Eisernen Vorhang, ist von unglaublicher Intensität." Les Echos

"Bellorinis Inszenierung entfaltet ein tragikomisches Panorama mit aktuellen Zeitbezügen. Sehr intensiv. Einem über Jahrzehnte verfemten Dichter wird ein würdiges Denkmal gesetzt." Junge Welt

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