DIE UNSCHULDIGEN, ICH UND DIE UNBEKANNTE<br /> AM RAND DER LANDSTRASSEDIE UNSCHULDIGEN, ICH UND DIE UNBEKANNTE
AM RAND DER LANDSTRASSE
Ein Schauspiel in vier Jahreszeiten ● von Peter Handke
Uraufführung
Mit: Christopher Nell ("ich" im Wechsel zwischen "Ich, Erzähler" und "Ich, der Dramatische"), Krista Birkner, Anatol Käbisch, Luca Schaub, Hermann Scheidleder, Martin Schneider, Fabian Stromberger, Jörg Thieme (Die Unschuldigen, nicht wenige), Felix Strobel (Die Unschuldigen, unter ihnen mein Doppelgänger), Martin Schwab (Der Wortführer der Unschuldigen oder: Häuptling/Capo), Maria Happel (Die Wortführerin der Unschuldigen oder: Häuptlingsfrau/Häuptlingin/Frau), Meret Becker (Die Unbekannte von der Landstraße), Regina Fritsch (Die Unbekannte von der Landstraße)

Inszenierung: Claus Peymann
Bühne: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Margit Koppendorfer
Dramaturgie: Jutta Ferbers, Anke Geidel
Licht: Karl-Ernst Herrmann
Friedrich Rom / Ulrich Eh
Musikalische Mitarbeit: Moritz Eggert
Geräusche/Töne: David Müller/
Alexander Bramann

Dauer: 3h (mit Pause)

Seit der PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG 1966 im Frankfurter Theater am Turm, hat Claus Peymann insgesamt bereits zehn Stücke von Peter Handke uraufgeführt. „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ ist seine elfte Handke-Uraufführung, nach UNTERTAGBLUES 2004 und DIE SPUREN DER VERIRRTEN 2007 die dritte Uraufführung im BE.

Eine Koproduktion mit dem Burgtheater Wien

DIE UNSCHULDIGEN, ICH UND DIE UNBEKANNTE<br /> AM RAND DER LANDSTRASSE
DIE UNSCHULDIGEN, ICH UND DIE UNBEKANNTE<br /> AM RAND DER LANDSTRASSE
DIE UNSCHULDIGEN, ICH UND DIE UNBEKANNTE<br /> AM RAND DER LANDSTRASSE
Christopher Nell;
Hermann Scheidleder, Christopher Nell, Meret Becker, Maria Happel
Maria Happel, Martin Schwab und Ensemble

Fotos: Monika Rittershaus
„Der Held heißt ›Ich‹, er ist eine Mittelgestalt zwischen Caliban und Prospero, ein Monstrum, ein Irrer, ein Tier und zugleich ein Zauberer.“ So beschreibt Peter Handke seinen „Helden“. Dieser wandelt sich vom »Ich-Erzähler« in »Ich, den Dramatischen« – ein kühner literarischer Coup, den Christopher Nell vielbejubelt und bestaunt auf der Bühne umsetzt: Er sitzt, geht, steht, träumt, zaubert, verzweifelt, wütet, tobt und – erzählt, von seiner Landstraße. Diese Straße ist sein Reich, der »letzte freie Weg in die Welt, der letzte nichtverstaatlichte, nichtvergesellschaftete, nichtgeographierte, nichtgeologisierte, nichtbotanisierte, nichtgegoogelte, nichtöffentliche und nichtprivate Weg auf Erden.« Und den will er verteidigen, einer gegen alle.
Doch die »Unschuldigen«, geführt von ihrem An- und Wortführer und dessen Frau, die „ein bisschen wie Lady Macbeth“ ist, nehmen die Straße in Beschlag, formieren sich auf ihr, hinterlassen ihre Spuren. Dabei wollen sie nichts böses, sind einfach nur da, unschuldig wie sie sind. Unter ihnen auch die »Unbekannte von der Landstraße«, die Schöne, »die erhoffte, seit jeher ersehnte«. Doch ›Ich‹ erkennt sie erst, als es zu spät ist, als sie ihn – nicht nur bildlich – vor den Kopf stößt. Am Ende alles nur ein Traum?

In Handkes neuem Stück geht es um die Auseinandersetzung des Einzelnen mit der Gesellschaft, um (Nicht-)Kommunikation, um Zuhören und Erinnern – in einer Welt, in der „alles verschwindet“, alte Werte, wahre Freundschaft und Liebe verloren gehen.
„Wie den Weg behaupten?“, fragt der Erzähler. Wie das ICH behaupten? Wie als Menetekel erzählt Handke auch vom Krieg, der längst begonnen hat, auch bei uns, in unserer Welt des schönen, unschuldigen Scheins.



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