Vier Uraufführungen und zwei Erstaufführungen

Vorschau auf die Premieren der zweiten Spielzeit-Hälfte 2017/18

In der zweiten Hälfte der ersten Spielzeit unter Intendant Oliver Reese zeigt das Berliner Ensemble acht Premieren, darunter vier Uraufführungen und zwei Deutschsprachige Erstaufführungen – und setzt damit den Fokus weiterhin verstärkt auf zeitgenössische Texte lebender Autoren und aktuelle Themen. Im Großen Haus werden neue Inszenierungen von Oliver Reese, Robert Borgmann, Michael Thalheimer, Clemens Sienknecht und Barbara Bürk gezeigt und im Kleinen Haus sind Produktionen von Bernadette Sonnenbichler, Lily Sykes, Dieudonné Niangouna und Thomas Bo Nilsson zu sehen.

 

Premieren im Großen Haus

Im Februar steht die erste Neuinszenierung von Intendant Oliver Reese auf dem Programm: Er adaptiert Benjamin von Stuckrad-Barres Autobiografie "Panikherz" für die Bühne, Uraufführung ist am 17. Februar im Großen Haus. Stuckrad-Barre erzählt in Panikherz nicht nur von seinem eigenen Leben, sondern wirft auch einen Blick auf die Popkultur des 20. Jahrhunderts. Neben den vier Ensemble-Mitgliedern Bettina Hoppe, Nico Holonics, Laurence Rupp und Carina Zichner liefert eine fünfköpfige Live-Band auf der Bühne den Sound für Stuckrad-Barres ultimativen Pop-Roman, mit Songs von Udo Lindenberg über Rammstein bis Oasis.

Im Großen Haus zeigt Robert Borgmann Rainald Goetz‘ Trilogie "Krieg" aus dem Jahr 1986, die erstmals in Berlin inszeniert wird. Borgmann, der neben seinen Regiearbeiten auch als bildender Künstler tätig ist, hat das Bühnenbild selbst entworfen und kreiert in Zusammenarbeit mit dem Musiker Rashad Becker ein visuelles Gesamtkunstwerk, das alle Sinne anspricht. Die Inszenierung vereint alle drei Teile von Goetz‘ Werk in einem Theaterabend und zeigt so das gesamte Panorama des Krieges – den Krieg der Gesellschaften, den Krieg der Beziehungen, den Krieg im Kopf jedes einzelnen Menschen. Es spielen u.a. Stefanie Reinsperger, Constanze Becker, Ingo Hülsmann und Aljoscha Stadelmann, Premiere ist am 17. März.

Nach seiner Eröffnungsinszenierung mit Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis" inszeniert Michael Thalheimer nun Tennessee Williams' modernen Klassiker "Endstation Sehnsucht" über menschliche Verheerungen im Zusammenhang mit einer der größten Lügen unserer Gegenwart: dass Glück und Wohlstand für jeden zu erreichen ist, wenn man es nur clever genug anstellt. Andreas Döhler spielt Stanley, Judith Engel die Rolle der Blanche und Sina Martens ist als Stella zu sehen. Die Premiere ist am 21. April im Großen Haus.

Zum Abschluss der ersten Spielzeit feiern Clemens Sienknecht und Barbara Bürk am 18. Mai (Uraufführung) auf der Bühne im Großen Haus das Jubiläum des legendären "Ballroom Schmitz" – vor vielen Jahren gegründet, war der Ballroom im BE Teil einer Morphinisten-Szene, Tanzschule, politischer Verschwörungsort und Radiostudio in einem. Schauspielerinnen und Schauspieler des Berliner Ensembles, darunter u.a. Annika Meier, Tilo Nest und Owen Peter Read, Regisseur Clemens Sienknecht und Musiker Friedrich Paravicini lassen die Geschichte des Ballrooms und der Beteiligten auf der Bühne in Form von gesungener und getanzter Erzählung wieder auferstehen. Und wer war dieser Schmitz?

 

Premieren im Kleinen Haus

Am 14. Februar ist im Kleinen Haus die Deutschsprachige Erstaufführung von Duncan Macmillans neuem Stück "Menschen, Orte und Dinge" in der Regie von Bernadette Sonnenbichler. Im Zentrum des Dramas steht die Schauspielerin Emma, gespielt von Sina Martens, die 2017 von der Zeitschrift Theater heute zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gewählt wurde. Duncan Macmillan erzählt mit "Menschen, Orte und Dinge" von Abhängigkeit und Sucht, von der Faszination der Lüge, dem verführerischen Leuchten erfundener Welten und den Grenzen der Wahrheit und reißt den Zuschauer mit in einen Sog halluzinativer Bilder.

Die britische Regisseurin Lily Sykes, die sich in ihrer Arbeit häufig mit großen Frauenfiguren auseinandersetzt und mit dem Bild der Frau in unserer Gesellschaft beschäftigt hat, wird im Kleinen Haus die Deutschsprachige Erstaufführung von Dennis Kellys Stück "Girls & Boys" mit Stephanie Eidt inszenieren. "Girls & Boys" ist die Geschichte einer Liebe, einer Ehe, und nicht zuletzt die einer Familie. Was als große Liebe beginnt, endet in einer Tragödie. Die Familie zerbricht am beruflichen Aufstieg der Frau, ihrer Selbstständigkeit und der Verunsicherung ihres Mannes. Dennis Kelly gelingt mit diesem Text ein grandioses, brutales Portrait einer Beziehung unserer Zeit und damit die Analyse eines gesellschaftlichen Wandels und dessen Folgen für das Individuum. Die Deutschsprachige Erstaufführung ist am 10. März.

Im Kleinen Haus ist am 13. April die Uraufführung von "Phantom" von Dieudonné Niangouna, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet. Eines regnerischen Morgens klopft ein alter Mann an die Tür einer deutschen Familie im Schwarzwald. Mit ihm tritt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch ein anderer Kontinent ein: Der Besuch des Mannes, der Martha und ihre Geschwister aus Afrika zu kennen behauptet, spült längst Vergessenes, Verdrängtes und Verschwiegenes an die Oberfläche und stellt die Identität jedes einzelnen radikal in Frage. Der aus dem Kongo stammende Autor, Regisseur und Schauspieler Dieudonné Niangouna, der derzeit nicht in seine Heimat reisen darf, ist für seine bilderstarke und wortgewaltige Theatersprache bekannt. Für seine erste Arbeit in Berlin hat er einen neuen Text geschrieben, den er mit Schauspielern des Berliner Ensembles – u.a. Bettina Hoppe, Josefin Platt und Wolfgang Michael – inszeniert.

Der Schwede Thomas Bo Nilsson, dessen Arbeiten sich auf der Schnittstelle zwischen Theater, bildender Kunst und Performance bewegen, wird mit seinem Team für das Kleine Haus eine theatrale Installation kreieren, der das "Dekameron" von Boccaccio zugrunde liegt. Ausgehend von den 100 Geschichten der zur Erscheinungszeit skandalisierten Novellensammlung wird ein raumgreifender Theaterkosmos entstehen. Puppen, Schauspieler und Performer bevölkern den Kosmos und treffen auf eine ebenso große Anzahl von Zuschauern, die mit ihrem Agieren die Erzählung fortschreiben und so zum Mitautor werden. Die Arbeit entsteht in Kooperation mit dem RambaZamba Theater, Uraufführung ist am 2. Juni.

Hier finden Sie eine Übersicht über alle Premieren der Spielzeit 207/18.