Mehr als 60 Künstler:innen und Kollektive sind in diesem Jahr für den Deutschen Theaterpreis "Faust" nominiert. Die Preisträger:innen werden bei einer großen Gala am 14. November 2026 im Hessischen Staatstheater Wiesbaden ausgezeichnet.
Jury: "Jens Harzer ist auf der Bühne ein existenziell Suchender"
BE-Ensemblemitglied Jens Harzer ist für sein Solo "De Profundis" als bester Schauspieler nominiert. Es war seine erste Rolle am Berliner Ensemble und ist sein erster Monolog.
In der Jurybegründung für die Nominierung heißt es: "Jens Harzer entführt uns in 'De Profundis' in die titelgebenden Tiefen und Abgründe einer menschlichen Existenz und lässt uns daraus herausschauen – auf nichts weniger als die Welt und das Sein.
Auf engstem Raum, der anfangs dunkel, irgendwann hell ist, mal in kaltem, mal in warmem Licht, nimmt Jens Harzer auf spektakuläre, gedanklich scharfe, emotional tiefe Weise das Publikum mit auf die innere und äußere Reise, die Oscar Wilde über zwei Jahre im Zuchthaus durchleben musste: Am Anfang zeigt Harzer einen Mann, der mit seinem unheilvollen Geliebten abrechnet, der sich seiner eigenen Eitelkeit bewusst ist und dennoch seinen Stolz bewahrt. Der sich an die Bedeutung als Künstler klammert, der immer deutlicher delirierend wahnsinnig wird: vor Einsamkeit, physischem und metaphysischem Schmerz. Und der am Ende als ein anderer Mensch, weniger geläutert als gezeichnet, das Gefängnis verlässt. Jens Harzer ist auf der Bühne ein existenziell Suchender und das ist schlichtweg ein Ereignis."
Carsten Brosda, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Hamburgs Senator für Kultur und Medien, freut sich auf die Preisverleihung und erklärt zur Bekanntgabe der Nominierungen: "Die Arbeit von Künstler:innen lebt von der Freiheit, durch Kunst anzuregen und aufzuregen. Damit geben sie der Gesellschaft die Möglichkeit, sich mit unserem Miteinander und unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen und so eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. Diese Freiheit gilt es zu stärken und zu schützen, um die gesamte Bandbreite künstlerischer Formen zu bewahren und gestalterischer Kraft Raum zu geben. Der Deutsche Theaterpreis "Faust" zeichnet nicht nur die Leistungen der Künstler:innen aus, die diesjährigen Nominierungen aus dem gesamten Bundesgebiet belegen: Künstler:innen brauchen keine politischen oder staatlichen Leitplanken, entlang derer sie Geschichten oder Bilder zu produzieren haben. Wer der Freiheit der Kunst und den Künstler:innen vertraut, entdeckt die Schönheiten eines demokratischen Miteinanders."
Jens Harzer ist seit der Spielzeit 2025/26 Teil des Berliner Ensembles. 1972 in Wiesbaden geboren, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Von 1993 an gehörte er 16 Jahre zum Ensemble von Dieter Dorn, erst an den Münchner Kammerspielen, dann am Bayerischen Staatsschauspiel München. Daneben gastierte er u.a. an der Schaubühne Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, den Salzburger Festspielen, am Deutschen Theater Berlin und am Burgtheater Wien. In diesen Jahren arbeite er u.a. mit Dieter Dorn, Peter Zadek, Andrea Breth, Herbert Achternbusch, Luc Bondy und Jürgen Gosch.
2009 wechselte Harzer an das Thalia Theater Hamburg. Hier Zusammenarbeit u.a. mit Dimiter Gotscheff, Stefan Pucher, Luk Perceval und Leander Haußmann. Für die Rolle des Marquis de Posa (Schillers "Don Carlos") in der Regie von Jette Steckel wurde er 2011 zum zweiten Mal zum "Schauspieler des Jahres" gewählt. Seit 2018 gastiert Jens Harzer regelmäßig an Johan Simons Bochumer Schauspielhaus. Im Film Zusammenarbeit u.a. mit Michael Verhoeven, Hans-Christian Schmid, Bülent Akinci und zuletzt mit Tom Tykwer, Wim Wenders und Hermine Huntgeburth. Neben zahlreichen nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen ist Jens Harzer seit 2019 in der Nachfolge von Bruno Ganz Träger des Iffland-Rings, einer der höchsten Auszeichnungen für Theaterschauspieler im deutschsprachigen Raum.