1955 kam B. K. Tragelehn an das bereits damals legendäre Berliner Ensemble – als Meisterschüler Bertolt Brechts. Eine Begegnung, die prägend wurde für ein Arbeitsleben als Regisseur, Dichter und Übersetzer. In den 70ern entstanden hier drei gemeinsame Inszenierungen mit Einar Schleef, die in die Theatergeschichte eingehen sollten. Seine Inszenierungen trafen in Ost wie West auf Widerstand. Erst in den 90er Jahren kehrte er mit seiner letzten großen Regiearbeit "Leben des Galilei" noch einmal ans Berliner Ensemble zurück.
Das Lesebuch "Roter Stern in den Wolken 3" erscheint anlässlich seines 90. Geburtstags und versammelt Gespräche, Gedichte und Reden aus den letzten Schaffensjahren. Sie geben Zeugnis von seiner fortwährenden Auseinandersetzung mit dem Brecht'schen Erbe und dem unorthodoxen Brecht-Schüler Heiner Müller. Die Beiträge zeigen Tragelehn als scharfsinnigen Analytiker des Theaters der Gegenwart wie der Geschichte und reflektieren die Rolle der darstellenden Kunst in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen.