Plädoyer für die Lust an Spiel und Sprache

Produktionsdramaturgin Sibylle Baschung ordnet Peter Handkes jüngsten Text "Schnee von gestern, Schnee von morgen" in der Audioeinführung zum Stück für Sie ein und ermutigt Sie, sich auf das Kreuz-und-quer-Gehen durch den Text und die Referenzen einzulassen. 

Sibylle Baschung und Inke Johannsen | 17.09.26
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117 Berlin
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Ein Mensch unterwegs, mitten in der Unübersichtlichkeit der Welt, kein fest umrissener Charakter, sondern einer, der sich durch innere wie äußere Landschaften bewegt. Auf der Suche nach einem Du – "oder auch nicht"? Eine Selbstbefragung vielleicht, eine Abschiedsmelodie möglicherweise. Wie erzählt man von der Welt, ohne über sie zu verfügen? Peter Handke hat die Welt stets neu vermessen – mit Sprache und im Widerstand gegen ihre Abnutzung. Auch in seinem neuen Text bleibt er diesem poetischen Forschen treu – vielleicht radikaler, vielleicht zarter denn je, jedoch nicht ohne jenen Humor, jene Selbstironie, mit der er auch seinen eigenen Ernst nonchalant unterläuft. Alles "Schnee von gestern"? Und wenn?

Da tanzt einer mit der Sprache, erlaubt sich Abschweifungen und Albernheiten, verliert sich mit voller Absicht – bis der eine, der da unentwegt spricht, zurücktritt, aufbricht, verschwindet und jemand anderes übernimmt.

Peter Handke, 2019 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, hat mit Werken wie "Publikumsbeschimpfung" und "Immer noch Sturm" das Theater revolutioniert. Sein jüngster Text wird im Juli bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt – in der Regie von Jossi Wieler, mit Jens Harzer und Marina Galic. Ein "Lied ohne Kehrvers" über das Sehen, Fragen, Ertragen und den Jubel im Moment des Verschwindens. "Oder auch nicht."