Karen Breece

Karen Breece schreibt und inszeniert Stücke, die sie auf der Basis intensiver Recherchearbeit und persönlicher Gespräche entwickelt. Neben diversen Projekten, die sich mit der Auseinandersetzung und Aufarbeitung der deutschen NS-Geschichte beschäftigen, liegt ein zweiter thematischer Fokus der US-Amerikanerin auf der politischen Gegenwart und Projekten, die sich auf Diskurse und Fragestellungen der Interkulturalität und Identität vor dem Hintergrund eines sich im Wandel befindlichen Deutschland und Europa konzentrieren.

Das "Dokumentar-Theater" von Karen Breece entsteht auf der Grundlage von Interviews mit (Zeit-)Zeugen und – je nach thematischer Verortung – direkt Betroffenen, die sie transkribiert und dann mehrfach überschreibt, indem sie die Aussagen durch literarische, politische oder philosophische Verweise und Assoziationen neu kontextualisiert. Durch ihren Ansatz, das Publikum mittels partizipativer Strukturen einzubinden und oft "site-specific", also bewusst an konnotierten Orten des öffentlichen Raums zu arbeiten, schafft Breece Reflexionsräume, die den Grenzbereich zwischen Kunst und Leben unscharf erscheinen lassen. Auf diese Weise werden Prinzipien des Dokumentarischen und das Genre des Dokumentar-Theaters in ihren Grundfesten reflektiert.

In ihrer jüngsten Arbeit "Oradour" (UA 2018), eine Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen, beschäftigte sich die Regisseurin vor dem Hintergrund des SS-Massakers von Oradour mit den Schwierigkeiten des Erinnerns und der Unmöglichkeit des Vergessens. In ihrer vorhergehenden Produktion "Don't Forget To Die" (UA 2017), einem Theaterprojekt über das Sterben, setzten sich fünf Menschen im Alter von 74 bis 94 Jahren auf der Bühne mit ihrem eigenen Tod auseinander. Die Inszenierung war im Februar 2018 nochmals als Gastspiel an den Münchner Kammerspielen zu sehen und zudem zum Festival Internationale Neue Dramatik FIND 2018 der Schaubühne am Lehniner Platz nach Berlin eingeladen.
"Auf Der Straße" ist die erste Arbeit von Karen Breece am Berliner Ensemble. Auf der Basis von Interviews und Gesprächen mit von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffenen oder bedrohten Menschen aus Berlin sowie mit in der Obdachlosenhilfe engagierten oder in Politik oder Verwaltung mit der Thematik beschäftigten Menschen entwickelt sie einen Theatertext, der von Schauspielern des Berliner Ensemble und wohnungs- und obdachlosen Menschen gemeinsam auf die Bühne gebracht wird.