Backstage

Vorprobeneinblick

Trotz der nahenden Sommerpause proben derzeit drei Neuproduktionen der Spielzeit 2026/27, darunter "Mephisto" von Klaus Mann in der Regie von Frank Castorf. Ganz seinem Stil treu bleibend nähert sich der Regisseur dem 1936 erschienenen Roman multimedial und multiperspektivisch. Fotograf Moritz Haase war bei einer Probe dabei. 

Moritz Haase (Fotos) | 30.06.26
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Der von Klaus Mann im Exil geschriebene und im Untertitel genannte "Roman einer Karriere", der "nur Typen darstellen sollte, nicht Porträts", wurde umgehend nach seinem Erscheinen 1936 verboten. Denn der einst enge künstlerische Mitstreiter und Schwager von Klaus Mann, der in der Rolle des Mephisto berühmt gewordene Schauspieler, Regisseur und Intendant Gustaf Gründgens, war in der Hauptfigur des Hendrik Höfgen leicht zu identifizieren. Als ein vor den Nationalsozialisten geflüchteter, sich zum antifaschistischen Widerstand und zu seiner Homosexualität bekennender Autor, schrieb Klaus Mann mit Mephisto eine gehässige Satire über den Opportunismus von ehemaligen Salonkommunisten, die in Deutschland zwischen 1925 und 1936 im Handumdrehen zu "Affen der Macht" mutierten. Für den Widerspruch von hoher Kunst inmitten niedrigster Barbarei wurde Gründgens Paradebeispiel. "Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler" lautet der letzte Satz von Höfgen im Roman, und ein Schauspieler muss spielen.

Klaus Mann beging 1949 Suizid mit einer Überdosis Schlaftabletten. Auch Gustaf Gründgens, der in jedem System ein virtuoser Tänzer auf dem Vulkan des Erfolgs war, starb 14 Jahre später an einer Überdosis Schlaftabletten, das Duell der Toten aber lebt in Mephisto weiter. Frank Castorf konfrontiert uns mit dem Rausch der Macht, der Erotik des Verrats und dem Charme des Untergangs, von dem wir damals wie heute verführbar sind.