Wie steht es um die Zukunft des Gazastreifens und der Menschen, die dort unter äußerst schwierigen Bedingungen leben? Was bleibt von einem Gebiet, das physisch weitgehend zerstört und politisch fragmentiert ist?
Darüber sprechen in dieser Ausgabe der Reihe ZEIT-Recherchen Caterina Lobenstein, der Völkerrechtler Kai Ambos sowie die beiden Journalist:innen Lea Frehse und Yassin Musharbash. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die aktuelle Lage vor Ort – insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten militärischen Eskalation im Nahen Osten: Israel und die USA haben Ende Februar gemeinsam Angriffe auf Ziele im Iran begonnen und damit den Konflikt in der Region erheblich verschärft. Diese neue Erschütterung wirkt sich auch unmittelbar auf die Situation im Gazastreifen aus. Israel hat u.a. die Hilfslieferungen bis auf Weiteres wieder eingestellt.
Lea Frehse berichtet von ihrer Recherchereise nach Gaza Ende Februar. Sie schildert unter anderem die systematische Zerstörung bereits beschädigter Gebäude nach der Waffenruhe sowie die Verminung einzelner Gebiete. Seitens der israelischen Armee werden diese Maßnahmen mit Sicherheitsgründen gerechtfertigt.
Yassin Musharbash beschreibt die anhaltende Hungersituation. Der Gazastreifen sei faktisch geteilt – zwischen israelischer Kontrolle über Teile des Territoriums und der weiterhin bestehenden Herrschaft der Hamas in anderen Bereichen. Viele Menschen lebten im permanenten Ausnahmezustand und könnten kaum mehr als zwei Tage im Voraus planen.
Auch außenpolitische Konzepte werden diskutiert, etwa die von Donald Trump und Jared Kushner vertretene Idee einer "Nahost-Riviera". Die zugrunde liegende Prämisse eines "Friedens ohne Gerechtigkeit" greife aus Sicht der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zu kurz und gehe an der Lebensrealität der Menschen vor Ort vorbei.
Abschließend sprechen die vier über die Rolle des Völkerrechts sowie über die Diskrepanz zwischen der deutschen Debatte und der Realität im Gazastreifen. Während in Deutschland häufig stark ideologisch argumentiert werde, seien die Diskussionen vor Ort existenzieller geprägt. Zugleich habe Deutschland in der Region an politischem Gewicht verloren und werde – anders als noch vor einigen Jahren – nicht mehr als zentraler politischer Akteur wahrgenommen.