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Suzie Millers Familien- und Justiz-Drama "Inter Alia" stellt eine Menge unbequemer Fragen zu den patriarchalen Strukturen, die unsere familiären und sexuellen Beziehungen bis heute prägen. Wie und was lernen heranwachsende Jungs über Männlichkeit, Sexualität und Geschlechterrollen? Von woher beziehen sie ihre Vorbilder, wenn Väter sich zurückziehen? Und was passiert, wenn Mütter aus diesen Prozessen ausgeschlossen werden?
Jessica Parks ist eine Top-Performerin. Als Richterin an einem Londoner Strafgericht hat sie Karriere gemacht und dabei ihren Mann Michael, ebenfalls Jurist, überflügelt. Mit Scharfsinn und Mitgefühl versucht Jessica ein System zu verändern, von dem sie weiß, dass es, gerade wenn es um Sexualstraftaten geht, nicht immer Gerechtigkeit schafft. Aber das ist nur eine Rolle von vielen, in die sie tagtäglich schlüpft. Schließlich ist sie unter anderem – "inter alia", wie es im juristischen Fachjargon heißt – auch noch engagierte Feministin, treue Freundin, liebende Ehefrau und moderne Mutter.
Bei Gericht wie im Privatleben versucht Jessica die Kontrolle zu behalten, gerecht und liebevoll, emanzipiert und beschützend, achtsam und immer verfügbar zu sein. Als jedoch eines Morgens ihr 18-jähriger Sohn Harry nach einer Party angetrunken nach Hause kommt, gerät ihr scheinbar so gut ausbalancierter Lebensentwurf ins Wanken.
Nach dem Welterfolg von "Prima Facie" beleuchtet die australische Dramatikerin Suzie Miller mit "Inter Alia" eine weitere Facette des gesellschaftlichen Umgangs mit sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Das Stück gewährt einen fundierten Einblick in die juristische Praxis und stellt gleichzeitig so pointierte wie unbequeme Fragen zu moderner Elternschaft und der Weitergabe von tief-verwurzelten patriarchalen Strukturen in Beziehungen.
- Susanne Wolff Regie
- Jan-Stephan Schmieding Dramaturgie