Jürgen Gosch

Jürgen Gosch wurde 1943 in Cottbus geboren. 1962-1964 studierte er an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Sein erstes Engagement führte ihn als Schauspieler an das Theater Parchim in Mecklenburg. 1967-1970 kam er an das Theater Potsdam, wo er als Regisseur debütierte. Fritz Marquardt holte ihn an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo er 1978 mit Georg Büchners "Leonce und Lena" eine systemkritische Inszenierung schuf, die abgesetzt wurde. Noch im selben Jahr siedelte Gosch nach Westdeutschland über. Nach ersten Inszenierungen am Staatstheater Hannover und am Theater Bremen gelang ihm 1984 am Schauspiel Köln mit Sophokles´ "Ödipus" der Durchbruch. Die Inszenierung mit Ulrich Wildgruber in der Titelrolle wurde 1985 auf der Theater-Biennale in Venedig mit dem EuropäischenTheaterpreis ausgezeichnet. 1984-1988 wurde er Regisseur am Thalia Theater Hamburg unter der Intendanz von Jürgen Flimm. 1987 debütierte er als Opernregisseur. 1988/1989 war er Mitglied der künstlerischen Leitung an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. Danach arbeitete er wieder als freier Regisseur, u.a. am Schauspielhaus Bochum und am Schauspiel Frankfurt/Main. Während Thomas Langhoffs Intendanz von 1993-1999 war Gosch am Deutschen Theater Berlin. Seither arbeitet er u.a. am Schauspielhaus Düsseldorf und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Für seine Inszenierung von Gorkis "Sommergäste" wurde er in der Kritikerumfrage des Fachblatts Theater Heute zum Regisseur des Jahres 2004 gewählt. Mit seiner Inszenierung "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" von Edward Albee war er erneut in der Theatertreffen-Auswahl 2005. Für seine Inszenierung von Shakespeares Macbeth am Düsseldorfer Schauspielhaus wurde Jürgen Gosch in der Kritikerumfrage von Theater heute zum Regisseur des Jahres gewählt und mit dem FAUST-Theaterpreis ausgezeichnet. Seine Uraufführung von Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" am Zürcher Schauspielhaus wurde zum Berliner Theatertreffen 2007 eingeladen. Am Deutschen Theater, wo Jürgen Gosch von 2006 bis 2009 Hausregisseur war, inszenierte er zuletzt "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare, "Onkel Wanja" und "Die Möwe" von Anton Tschechow (beide eingeladen zum Berliner Theatertreffen) und "Idomeneus" von Roland Schimmelpfennig. Onkel Wanja wurde von einer Jury der Zeitschrift Theater heute zur Inszenierung des Jahres gewählt. 2009 erhielt Jürgen Gosch gemeinsam mit seinem langjährigen Bühnen- und Kostümbildner, den "Theaterpreis Berlin" der Stiftung Preußische Seehandlung, der im Rahmen des Theatertreffens verliehen wird, und wurde Ehrenmitglied des Deutschen Theaters. Am 11. Juni 2009 verstarb Jürgen Gosch in Berlin.