"Wer sehn will, wird gesehn"

Annina Walt ist Ismene

Was ist Freiheit?
Freiheit ist für mich tanzen, barfuß über eine Wiese rennen, im Meer schwimmen, lange Zugfahrten alleine, gemeinsames Singen. Freiheit ist für mich zu sagen was ich denke, zu sein wo ich will, zu wählen wie ich lebe. Freiheit ist, wenn alle Menschen das dürfen.

Krieg ist…
Hat es schon immer gegeben und noch nie gebraucht.

Wo ist die größte Nähe/Ferne zwischen Dir und Deiner Figur?
Meine Figur ist wie ich vorsichtig und überlebensfähig.
Meine Figur ist nicht wie ich vorsichtig und überlebensfähig.

 

 

Kreon: So ist kein Krieg?
Antigone: Doch, deiner.

Enno Trebs ist der Wächter

Was ist Freiheit?
Eine ewige Baustelle. Weniger BER als Sagrada Familia. Seit Jahrhunderten im Bau, während etwas fertig wird, bröckelt es bereits woanders, manches ist mehr als es scheint, anderes weniger, als es vorgibt zu sein. Was schief gebaut wurde, fällt um; was gerade und stabil gebaut wurde, auch irgendwann. Am Ende soll’s schön werden.

Krieg ist ...
schrecklich menschlich.  

Wo ist die größte Nähe/Ferne zwischen dir und deiner Figur?
Wir haben was urst Menschliches, wir beide.

 

 

So lesen wir [...] bei Bertrand de Jouvenel [...]: "Dem Betrachter der Abfolge der Zeitalter stellt sich der Krieg als ein Akt dar, der zum Wesen der Staaten gehört." Folgt daraus nicht, dass das Ende der Kriege das Ende staatlicher Organisation bedeuten würde? Heißt das nicht, dass die Ausschaltung der militärischen Gewalt im zwischenstaatlichen Verkehr auch das Phänomen der Macht zum Verschwinden bringen würde?

Hannah Arendt: "Macht und Gewalt". München 1970.

Aysima Ergün ist Antigone

Was ist Freiheit?
Ich denke nicht, dass eine allgemeine Definition von Freiheit für den Einzelnen möglich ist. Freiheit ist situativ.

Krieg ist...
real. Nur weil er nicht vor unserer Tür ist, heißt es nicht, dass wir keine Verantwortung tragen, etwas für den Frieden zu tun.

Wo ist die größte Nähe/Ferne zu deiner Figur?
Größte Nähe und Ferne ist der Mut, den Antigone hat.

 

 

Das deutsche Bürgertum "entnazen" heißt, es entbürgern. Es hat keinen Weg vor sich, immer nur den oder jenen Ausweg. Weder seine elementaren Daseinsbedingungen, noch die speziellen Umstände erlauben dieser Klasse, die barbarischen Mittel abzulegen, selbst wenn der Dachshund, der einmal Taubenblut geschmeckt hat, vermittels reichlicher Prügel zum Hundekuchen zurückkehren könnte. Nicht nur die Laster, auch die gesamten Tugenden der Klasse haben die Naziform bekommen; wo der Bürger nicht denkt und wo er denkt, wo er anständig ist und wo er unanständig ist, wo er Idealist ist und wo er Schieber ist, immer ist er Nazi. Wenn er aufhörte, ein Nazi zu sein, könnte er kein Bürger mehr sein; nur wenn er kein Bürger mehr ist, ist er kein Nazi mehr.

Bertolt Brecht: Arbeitsjournal, Eintrag vom 1.1.1948. Berlin 1993.

Maximilian Paier ist ein Alter von Theben

Was ist Freiheit?
Freiheit ist unter anderem militanter Pazifismus.

Krieg ist…
nie nützlich.

Wo ist die größte Nähe/Ferne zwischen Dir und Deiner Figur?
Ich sehe den größten Unterschied zwischen mir und meiner Rolle als Alter von Theben darin, dass dem Chor jeglicher Glaube an die Zukunft der Menschheit abhanden gekommen ist.

 

 

Antigone: Und wo’s der Gewalt gegen andere brauchet / Gegen die Eignen braucht’s der Gewalt dann.

Oscar Hoppe ist Kreon

Was ist Freiheit?
Freiheit ist ein Gedanke, der zu einem Gefühl wird.
Wenn das Gefühl stirbt, ist oft der Gedanke zu schwach, es am Leben zu halten.
Freiheit ist Düngemittel zum Wachsen, zum Sich-Entfalten, zum Ich-Werden.
Freiheit ist der Geruch des Meeres, Wind im Haar und Sand zwischen den Zehen.
Freiheitsentzug ist Folter.

Krieg ist…
…gegen die Idee des Menschlichen. Gier, Habsucht, Hybris. Du gegen mich, wir gegen sie. Abschied, Todesangst, Trauer. Krieg ist, Menschen das Herz herauszureißen für MEHR. Aber was ist MEHR als das Herz?

Wo ist die größte Nähe/Ferne zwischen Dir und Deiner Figur?
Kreon und ich fühlen sehr viel – wir sind ja im Grunde aus ein und demselben Material; nur Kreon kanalisiert seine Gefühle komplett anders. Er fühlt nicht mit dem Einzelnen, er stellt geliebte Menschen unter seine Idee eines höheren Zweckes. Ich dagegen würde alles für meine geliebten Menschen tun, scheiß auf einen höheren Zweck oder Nutzen.

 

 

Frage: Erfordert das alte Gedicht mit seinem riesigen Thema nicht eine gewichtigere Darstellung?

Antwort: Es erfordert die allerleichteste. Bei aller Bestimmtheit der Einzelheiten sollte sie im Ganzen etwas Fliegendes haben. Die Darsteller sollten etwas von der Mühelosigkeit zeigen, welche gute Akrobaten durch harte Arbeit erwerben. Gerade die Trennung der Teile kann bewirken, dass die Handlung immer fortgeht. Die große Linie sei eine dünne Linie.

Bertolt Brecht: Notizen zur Antigone aus dem Arbeitsjournal, in: Werner Hecht (Hg.): Brechts Antigone des Sophokles, Frankfurt am Main 1988. 

Lorenz Grabow ist ein Alter von Theben

Was ist Freiheit ?
Freiheit ist die Wahl zu haben. Die Wahl zuhaben wie ich leben, wo ich leben, wie ich denken, wie ich lieben und wie ich fühlen möchte. Freiheit heißt aber auch Verantwortung zu übernehmen für mich und für andere.
Freiheit ist etwas Gemeinschaftliches, denn durch meine Freiheit darf die eines anderen nicht beeinträchtigt werden. Und nur wenn es die Freiheit schafft für alle gleich zu sein, wird sie zur Freiheit.
 
Krieg ist ...
Angst
Angst vor sich selbst
Angst nicht stark genug zu sein
Angst vor Veränderungen
Angst seine Position zu verlieren
Angst alleine zu sein
Angst vor dem Frieden

Wo ist die größte Nähe/Ferne zwischen Dir und Deiner Figur?
Ich denke, dass man oft so handelt, dass man sich in der bestmöglichen Position befindet. Gerade in einem System, in dem es darum geht, besser als jemand anderes zu sein. Und in dieser Wechselhaftigkeit sehe ich Parallelen zu meiner Rolle. Fern ist mir aber, die Skrupellosigkeit und das "Professionelle" abseits jeglicher Moral, die diese Rolle an den Tag legt.

 

 

Die Alten: Allbewandert unbewandert. Zu nichts kommt er. Überall weiß er Rat, ratlos trifft ihn nichts. Dies alles ist grenzlos ihm, ist aber ein Maß gesetzt.

Skye MacDonald ist Hämon

Was ist Freiheit?
Freiheit ist für mich ein komplizierter Begriff, weil ich mich manchmal auch unter den unangenehmsten oder zwanghaftesten Voraussetzungen frei fühlen kann. Wenn ich tatsächlich die Freiheit habe, alles zu sagen, schreiben oder sogar zu denken – warum mache ich das dann nicht? Irgendwie ist da oft auch Risiko im Spiel. Im Zuge des Schauspielstudiums beschäftige ich mich eigentlich ausschließlich mit Charakteren, die sich in unfreien Situation befinden und darin einen Ausdruck finden. Das beeinflusst mich auch privat.

Krieg ist …
 … für mich nicht in Worte zu fassen. Viele AutorInnen und RegisseurInnen haben ihn tatsächlich beschrieben und irgendwie gehört er auch dorthin – in die Fiktion. Da ist er ja manchmal sogar cool. Aber sobald ich ernsthafter darüber nachdenke, füllt sich mein Kopf mit Schamgefühl, Betroffenheit, Ärger über Erste-Welt-Probleme etc. Krieg ist… etwas, worüber hauptsächlich Menschen sprechen, die nicht kämpfen müssen.

Wo ist die größte Nähe/Ferne zwischen Dir und Deiner Figur?
Ähnlich wie Hämon suche und finde ich an vielen Orten das so genannte Richtige oder Wahre. Andere Menschen mit ihren eigenen Vorstellungen von richtig und falsch haben für mich etwas Faszinierendes. Ich versuche meinen Respekt davor zu zeigen, weil es mich interessiert – manchmal auch, weil ich es für mich selbst gar nicht entscheiden kann. Jeder Tropfen in meinem Kaffee hat sein eigenes Pro und Contra. Das ist gleichzeitig schön und verursacht Kopfschmerzen. So eine Denkweise ist scheinbar mit Politik unvereinbar, aber letztlich eigentlich ihr Kern. Um die Vehemenz, mit der Hämon für Probleme und Personen kämpft, die ihm teuer sind, beneide ich ihn.

 

 

Der Chor ist krank. Pestkrank

In gewissem Sinne sind das alle Choreinsätze der antiken Tragödie. Deren Autoren behandeln den Chor unterschiedlich, aber die unbestimmbare Krankheit verbindet ihre Chöre, ist selbst in den Komödien nachweisbar. Immer, wenn Masse die Bühne betritt, ist sie krank. Masse scheint von Beginn an krank. Als begleite ihre Zusammenrottung der üble Geruch, gehe von ihm aus, als sei schon die Zusammenrottung die Pest selbst.
Die antike Tragödie definiert den Zusammenbruch des »Staats«, den Zusammenbruch der »Bevölkerung«, unter der alle handelnden Figuren zu verstehen sind, beschreibt, wie sie den von außen auf sie eindrängenden Belastungen nicht mehr standhält und bricht. Zugehörigkeit und gegenseitige Verantwortung sind aufgegeben, sind als schnell abzulegende Kennzeichen nur noch belastend. Die Spaltung der antik formulierten Chor-Zusammengehörigkeit ermöglicht das Abdriften der Demokratie. Dieser Vorgang prägt die Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides.
Die Diskussion antiker Texte schließt den Chor, deren unmittelbare Grundlage aus, definiert ausschließlich die Rolle des Individuums und feiert dessen vorbildliche Auffassung. Der Chor-Riss, die Chor-Sprengung, die Trennung von Chor und Einzelfigur ist die Tragödie des Einzelnen, dessen Tragödie sich demnach nur im Wechsel mit dem Chor abbilden lässt.
Der Tempounterschied von Chor und Einzelfigur suggeriert eine Zugehörigkeit zu 2 unterschiedlichen, fast feindlichen Welten. Dass dem Chor nur 2 Tempi zur Verfügung stehen, rückt ihn dem Tierreich näher, als gehörte er einer weit zurückliegenden Götterwelt und Lebensform an, die die Helden längst hinter sich gelassen haben, die, stets an den Palast gebunden, dessen Produkte sind. Bleibt die Frage, wenn die Einzelfigur im Palast wohnt, wo wohnt die Masse? Was man wahrnimmt, ist, dass der Chor, die Masse zur Bühnenlandschaft gehört, selbst Landschaft ist. Aus ihr hat sich das Chor-Tier, tief verwundet, aufgemacht, um vor dem Palast zu heulen. Teilweise kommen aus ihr Zombies. Die zum Sterben vor das Tor Geschickten kehren aus ihren Sterbelandschaften zurück, um erneut an das Palasttor zu pochen. Dass der Chor in seiner Krankheit ganz unterschiedliche Züge annimmt, dass sich die Krankheit nicht einfach diagnostizieren lässt, sondern unbestimmt bleibt, scheint dem Chor anzuhaften, seine ständige Trübung zu sein.

Einar Schleef: Droge Faust Parsifal. Frankfurt am Main 1997.

Leon Maria Spiegelberg ist ein Alter von Theben

Was ist Freiheit?
Immer begrenzt durch die Freiheit der anderen.

Krieg ist..
in der Ferne.

Wo ist die Größte Nähe/ Ferne zwischen Dir und Deiner Figur?
"Als Körper ist jeder Mensch eins, als Seele nie. Auch in der Dichtung, selbst in der raffiniertesten, wird herkömmlicherweise stets mit scheinbar ganzen, scheinbar einheitlichen Personen operiert. […] Nur von ferne erst und allmählich dämmert die Ahnung in einzelnen, daß das vielleicht alles billige Oberflächenästhetik ist, daß wir irren, wenn wir auf unsre großen Dramatiker die herrlichen, uns aber nicht eingeborenen, sondern bloß aufgeschwatzten Schönheitsbegriffe der Antike anwenden, welche, überall vom sichtbaren Leibe ausgehend, recht eigentlich die Fiktion vom Ich, von der Person, erfunden hat. […] Und in unsrer modernen Welt gibt es Dichtungen, in denen hinter dem Schleier des Personen- und Charakterspiels, dem Autor wohl kaum ganz bewusst, eine Seelenvielfalt darzustellen versucht wird. Wer dies erkennen will, der muß sich entschließen, einmal die Figuren einer solchen Dichtung nicht als Einzelwesen anzusehen, sondern als Teile, als Seiten, als verschiedene Aspekte einer höheren Einheit (meinetwegen der Dichterseele). Wer etwa den Faust auf diese Art betrachtet, für den wird aus Faust, Mephisto, Wagner und allen anderen eine Einheit, eine Überperson, und erst in dieser höheren Einheit, nicht in den Einzelfiguren, ist etwas vom wahren Wesen der Seele angedeutet. Wenn Faust den unter den Schullehrern berühmten, vom Philister mit Schauer bewunderten Spruch sagt: 'Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!' dann vergisst er den Mephisto und eine ganze Menge anderer Seelen, die er ebenfalls in seiner Brust hat." (Hermann Hesse)

 

 

Tiresias: Raub kommt von Raub und Härte brauchet Härte.

Aniol Kirberg ist Tiresias

Was ist Freiheit?
Puh. Wer bin ich, das zu beantworten? Als weißer spanisch-deutscher Mittelstands-Aniol habe ich natürlich das Privileg zu sagen: Freiheit ist im Flow zu sein, musikalisch oder schauspielerisch, wenn aus jedem Moment neue Welten entstehen können. Millionen haben noch nicht einmal die Freiheit, das eigene Land zu verlassen, die Freiheit, zu lernen oder zu lieben, wen sie wollen. Womit habe ich das verdient? Jemand hat bei uns an die Uniwand geschrieben: "Freiheit heißt Verantwortung. Nutzt sie." Das finde ich gut. Das Leben, das wir haben, zu lieben ist komischer- und idiotischerweise ja oft auch nicht so leicht.

Krieg ist...
Unnötig.

Wo ist die größte Nähe/Ferne zu deiner Figur?
Meine Figur weiß sehr viel und geht nicht damit hausieren. Bei mir ist das eigentlich das Gegenteil.