A CALL FOR A FEMINIST REVOLUTION

Die Autorinnen Alice Birch und Marlene Streeruwitz tragen mit "Revolt. She said. Revolt again." und "Mar-a-Lago." aus unterschiedlichen Generationen und Nationen stammend zwei starke Stücke zur Debatte bei, die die Regisseurin Christina Tscharyiski im Kern zu einem Aufruf zu einer feministischen Revolution verbindet. Denn - um es mit Lauriel Thatcher Ulrich zu sagen - :  "Well behaved women seldom make history."

Es richtig machen zu wollen, führt immer ins Patriarchat zurück.

Wie aus diesem Zustand herauskommen. Entkommen. Sich entwinden. Nun. Der Weg der Revolution.

Es wäre schön, wenn #MeToo dazu führen würde, dass Frauen gehört werden. Gehört werden und als Person mit Handlungsvollmacht angesehen. Das würde ja reichen, die Frage der sexuellen Belästigung zu klären. Wenn nun wieder mit diesem genervten Seufzer die Frage kommt, wie „Mann“ denn nun noch mit einer Frau flirten soll. Es bleibt nichts anderes übrig als geduldig zu wiederholen, dass Frauen heute sehr eindeutig und klar über ihre Wünsche verfügen. So gesehen macht #MeToo das Flirten ja einfacher. Ein Mann muss das Nein nur als Nein hören. Das reicht schon. Und dann. Sexuelle Belästigung handelt immer von Machtverhältnissen. Sex ist eines der Instrumente der Durchsetzung. Ich würde mir wünschen, dass alle Instrumente der sadistischen Herstellung von Hierarchien gebannt werden könnten. Erniedrigung und Herabwürdigung funktionieren ja auf vielerlei Weise und auf allen Ebenen. Aber immerhin. Und aber leider. Findet Veränderung statt, weil stillschweigende Vereinbarungen gebrochen werden. Es wird an uns liegen, aus dem Bereden eine Kultur zu formen.

Es geht um den grundsätzlichen und alles bestimmenden double-bind unserer graeco-christlichen Kultur.

Die Vorstellung, dass eine Frau alles machen kann. Nach dem Code Napoleon in der Familie und sich in die Rolle der emotional übermächtigen Mutter pressen lassen. Und außerhalb des Hauses die erfolgreiche Berufstätige. Und außerdem schön und begehrenswert sein. In diesem Widerspruch zu leben, heißt antisozial zu handeln. Der Schaden an den Kindern ist nicht abzumessen. Der Umgang mit sich selbst ist schonungslos und folgt auch im Erfolg nur der kulturell eingelassenen Verachtung des Weiblichen in der Selbstausbeutung. Es geht darum, eine selbstverständliche Existenz zu gewinnen, aus der heraus die Entscheidungen getroffen werden können. Etwa so, wie das für Männer der Fall ist. Wenngleich ich mir sehr wünsche, dass die innere Differenziertheit und Einläßlichkeit des Weiblichen dabei voll zum Tragen kommen könnte. Also geht es doch um eine andere Form dieser Selbstverständlichkeit. Aber. Das Männliche hat diese 5000 Jahre. Alle Religionen. Alle Philosophie. Alle Wissenschaft. Das Männliche hat einen Gründungsmythos, der diese Selbstverständlichkeit nicht einmal beschreiben muss. So selbstverständlich ist diese Selbstverständlichkeit. Männlichkeit versteht sich so von selbst. Und weil es keine Durcharbeitung dieser Selbstverständlichkeit gegeben hat. Deshalb müssen wir heute immer noch in Abhängigkeit von dieser Selbstverständlichkeit sprechen. Die erwünschte Revolution scheiterte also an der Sprache. Denn. Im Grunde. Manchmal denke ich schon, es bleibt nichts anderes übrig als schreiend auf die Straße zu laufen und einfach weiterschreien bis die Ungerechtigkeiten und Beleidigungen. Bis die stete Entwertung aufhört.

Wir wissen, dass es um diese Welt geht und nicht um unsere Darstellung in der äußeren Welt. Wenn wir darin beständig bleiben können. Wenn wir einander erkennend und fördernd darauf bestehen, dieses Wissen und Können in die öffentliche Anerkennung zu reklamieren. Dann sehe ich alle Möglichkeiten jeden Augenblick zu triumphieren. Ja. Aus dem Triumph dieses Wissens und Könnens eine Lebensform zu machen. Ruhig und kritisch. Das Leben als emanzipierte kritische Person ist schön. Erfüllend. Und. Lebendig.

Wir sind gerade so weit gekommen sehen zu können, dass wir beginnen können. Müssen.

 

(*Auszüge aus der Eröffnungsrede von Marlene Streeruwitz anlässlich der 34. Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe. 10.-11. November 2017. "Der weibliche Körper zwischen Kränkung und Triumph.")

 

Zu den Künstlerinnen

Alice Birch

"[I wrote Revolt ] to respond to the provocation that well behaved women seldom make history. The phrase made me quite angry."
(Interview über "Revolt. She said. Revolt again.")

 

Verena Dengler

"It`s Important that you look good and that you have the rhetorical skillfullness to say the wrong things in the right way."
(Verena Dengler und KlitClique - "Kulturzeit" mit Stefanie Sargnagel)

Ebow

Komplexität ist das neue Album der Wahlwiener Rapperin Ebow. Komplexität deshalb, weil das Wort den Status Quo unserer Gegenwart beschreibt und Ebow diese in Worte fassen will. Komplexität aber auch, weil das Album einen Bogen spannen will von sozialkritischem Rap (Asyl, Baba Bak) über intime Reflektionen (Das Wetter, Vogel & Meer) bis hin zu Club-Bangern (Ghetto Rave, Bad Lan).

Um dieser Vielfalt in Inhalt und Sound Rechnung zutragen, hat Ebow mit einer Vielzahl an Produzenten zusammengearbeitet: Nik Le Clap, mit dem sie schon seit ihren musikalischen Anfängen arbeitet, Pennedhaus, der auch auf der aktuellen Single Paradise gefeatured ist,Walter P99 Arke$tra, mit dem sie auch ihr anderes Musikprojekt Gaddafi Gals macht, außerdem ZinoBeatz und Rafael Alvarez. Dabei wird Komplexität gerade durch die Verschiedenartigkeit der Songs zusammengehalten. Ebows Style reicht dabei von Old School Rap bis hin zu Future R’n’B. Erstmals Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte Ebow durch Guerilla-Auftritte im Münchner Bahnhofsviertel, unter anderem in  Waschsalons, Supermärkten oder der Straßenbahn. Auf die ersten Reaktionen der Presse (SZ, BR etc.) folgten zahlreiche Liveauftritte auf konventionelleren Bühnen. Mit dem selbstproduzierten halbstündigen Video-Mixtape Habibi’s Liebe und Kriege verortete sich Ebow zwischen Hip Hop und orientalischen Klängen und verpackte soziale Realität in angriffslustige Texte, die von Geschlechterrollen in der türkischen Community, falschen Patriotismus bis zu Waffenhandel reichen.

"KOMPLEXITÄT" Album Release 17.November.2017 über Problembär Records/Seayou Records

 

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Marlene Streeruwitz

"Demokratie muss an der Geschlechterpolitik gemessen werden."