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Er will nach Paris. Oder irgendwo hin. Jedenfalls weg aus dieser Scheiß-Provinz. Weg von der Armut und der Gewalt seiner Eltern. Weil er ein anderes Leben will als das, was für ihn vorgesehen ist. Und er schafft es. Bis in die high society der Hauptstadt. Und muss erkennen: Auch das neue Leben hat seine Gewalt. Heiki Riipinen inszeniert Édouard Louis’ autofiktionalen Roman über den Verrat an der eigenen Herkunft, über Klasse und den Preis des Aufstiegs.
Eine Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville de Luxembourg.
Ein junger Mann wächst in einer Arbeiterfamilie in der Provinz auf. Es fehlt an Geld und an Perspektiven – wer anders sein will als das, was vorgesehen ist, wird zum Feindbild. Er merkt das schnell: Weil er wegwill, weil er Männer liebt. Er lernt, nicht aufzufallen, leiser zu sprechen, sein Begehren zu verstecken. Damit seine Mitschüler, seine Familie und vor allem sein Vater nichts merken. Er lernt manisch, verändert Gesten und Vorlieben – alles, um der Gewalt seiner Herkunft zu entkommen. Und er schafft es. Bis an eine Eliteuni in Paris. Er entdeckt Worte, die er zuhause nie benutzt hätte – und muss erkennen, dass auch in ihnen Gewalt liegt. Dass er nunmehr zwischen Menschen lebt, die seine Herkunft verachten, die seinen Vater als faul bezeichnen, seine Familie als Abschaum. Darin liegt der Riss: Das Neue eröffnet ihm ein anderes Leben – und erinnert ihn daran, dass er sein altes verleugnen muss, wenn er es leben will. Manchmal denkt er: Verrat; meistens: Überleben. Und so tauscht er die eine Gewalt gegen die andere.
Édouard Louis' autofiktionaler Roman "Anleitung ein anderer zu werden" beschreibt schonungslos den Kampf um Selbstbestimmung, den Zorn und die Scham gegenüber der eigenen Herkunft. Der finnisch-norwegische Regisseur Heiki Riipinen, wie Louis einst ein queerer Junge in der Provinz, begibt sich mit seinem Team und dem Choreografen Adam Linder auf die performative Suche danach, was es kostet, ein anderer zu sein.
- Heiki Riipinen Regie/Kostüme
- Johannes Nölting Dramaturgie