"Da is kein Glück bei, und is auch kein Unglück bei. Det is janz 'n sauberes glattes Unrecht is det! Et jibt mehr Unrecht auf de Welt, scheenes ausgewachsenes Unrecht. Nee, mir hamse zu lang gepufft, mir hamse nu wachjekriegt, da jibts keen Pennen mehr, ick will det nu janz jenau wissen!"
Am 16. Oktober 1906 stürmt der Schuster Wilhelm Voigt das Rathaus von Köpenick – verkleidet als Hauptmann und mit zwei Trupps obrigkeitshöriger Soldaten im Gefolge. Ein spektakulärer Coup und eine der komischsten Geschichten der deutschen Geschichte, weil sie einer Gesellschaft im Uniform-Taumel den Spiegel vorhält. Widergänger hat der Hauptmann von Köpenick in Figuren wie Franz Biberkopf aus "Berlin Alexanderplatz" oder Beckmann aus "Draußen vor der Tür" gefunden, aber keiner dieser Außenseiter hat das Soldatische in seinem Land so gewieft transformiert. Kein Hauptmann ist er also, sondern ein Mensch, der in die Gesellschaft nicht hineinpasst und deshalb entweder vor verschlossenen Türen steht oder hinter verschlossene Türen gesperrt wird. Als Carl Zuckmayer den Stoff 1931 für die Bühne bearbeitete, ging er damit auch in Opposition zum nationalsozialistischen Regime, wofür ihm Joseph Goebbels in Aussicht stellte – gleich seiner Hauptfigur –, ein preußisches Zuchthaus von innen kennenzulernen.
Max Hopp, selbst in Köpenick geboren, gestaltet eine szenische Lesung mit diesem berühmten Berlin-Stoff. Er liest und spielt den Schuster Voigt genauso wie den Uniformzuschneider Wabschke, Bürgermeister Obermüller, die Plörösenmieze und viele andere Figuren aus dieser wahren Köpenickiade, dem so genannten Eulenspiegel des wilhelminischen Militärstaats. Begleitet wird er von der Musikerin Doris Decker, die zusammen mit Marlon Mausbach die Bühnenmusik komponiert.
- Max Hopp
- Doris Decker Saxophon, Melodika, Gesang
- Max Hopp Szenische Einrichtung
- Nils-Thore Grundke Bühne
- Elina Schnizler Kostüme
- Doris Decker, Marlon Mausbach Musik
- Hans Fründt Licht
- Amely Joana Haag Dramaturgie