Friedman im Gespräch

Eine Gesprächsreihe mit Michel Friedman im Berliner Ensemble

In einer Zeit, in der wir unsere kulturelle und politische Gestaltungsmacht unter dem Diktat der Ökonomie fast vergessen haben, sehen wir uns mit fundamentalen Veränderungen unserer Lebenswelten konfrontiert. Mit dem Umbau der Produktionsverhältnisse durch technische Neuerungen, Digitalisierung und Globalisierung, durch Bevölkerungswachstum oder Klimawandel erfahren die sozialen wie politischen Verhältnisse weltweit enorme Transformationsprozesse. In dieser instabilen Phase des Übergangs, in der mit Krisen, Krieg und politischem Extremismus scheinbar "die Wüste wächst", ist es umso wichtiger, die Kernideen, Werte, Normen und Organisationsformen unserer Gesellschaft auf den Prüfstand zu stellen und weiterzuentwickeln.

Im Fokus der Veranstaltungsreihe "Friedman im Gespräch" stehen deshalb die existenziellen Themen der Gegenwart und Zukunft – wie soziale Gerechtigkeit, Demokratie oder Religion. Im Gespräch mit jeweils einem Gast sucht der Jurist, Publizist und Fernsehmoderator Michel Friedman die intellektuelle Auseinandersetzung mit Politikern, Künstlern, Wissenschaftlern und Experten. Intensiv, analytisch, neugierig auf emanzipatorisches Potential und eindeutige Positionierungen begibt sich Friedman im Gespräch auf Argumentationsreise, greift aktuelle Debatten auf, hinterfragt die grundlegenden metaphysischen Begriffe und Konzepte unseres gesellschaftlichen Miteinanders, um deren Widersprüche und Konfliktfelder sichtbar zu machen.

 

27.1.2017, 20.00 Uhr Großes Haus
AUSCHWITZ mit Sigmar Gabriel

Haben wir Auschwitz schon vergessen? Wenn rechtsnationalistisch-völkische Rassisten in demokratischer Wahl in unsere Parlamente Einzug halten? Wenn jüngere Generationen kaum noch Kenntnis von der systematischen Vernichtung von sechs Millionen Menschen im Dritten Reich haben? Reicht es angesichts des aufkeimenden Rassismus und Nationalismus, einen ICE "Anne Frank" zu nennen oder die Auschwitz-Prozess-Akten zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären? Oder müssen wir Auschwitz vielmehr zur Wurzel aller Politik machen? Michel Friedman diskutiert mit dem SPD-Politiker Sigmar Gabriel, dessen Vater Mitglied der NSDAP war und den Holocaust leugnete.

 

28.2.2018, 20.00 Uhr Kleines Haus
Demokratie! mit Julian Nida-Rümelin

Frisst die Demokratie gerade ihre eigenen Kinder? Weil sich der Demos, das Volk, nicht mehr repräsentiert fühlt? Wir wählen – aber haben wir wirklich eine Wahl? Wählen aus Protest oder gar nicht? Sind wir tatsächlich in einer Post-Demokratie angekommen? Sind unsere politischen Institutionen nur noch leere Hüllen für eine Lobbykratie der Konzerne und puren Machtinteressen unterworfen? Oder ist die Krise der Demokratie eine Krise des Wir, der Bürgerschaft, des eigentlichen Souveräns? Steht die Demokratie vielleicht bald ohne Volk da oder das Volk ohne Demokratie?

 

26.4., 20.00 Uhr Grosses Haus
Heimat! mit Juli Zeh

Ist Heimat eine Phantasie? Eine Ideologie? Eine unvermeidbare Notwendigkeit? Oder Sehnsucht? Ist die aktuelle Fokussierung auf Heimat der Gegenentwurf zum digital-globalen Nomadentum? Ein Zuhause für die seelische Obdachlosigkeit des modernen Individuums? Oder ist Heimat ein erinnerungssatter Phantomschmerz, mit dem wir den Verlust unserer Vertreibung aus dem Paradies der Kindheit in eine utopische Suche nach Identität verwandeln? Und ist die Heimat des einen gleichzeitig die Ausgrenzung des anderen?