Das Bildnis des Dorian Gray

von Oscar Wilde in einer Bearbeitung von Heiki Riipinen
Aus dem Englischen von Johannes Nölting unter Verwendung der Übersetzung von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117 Berlin
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Wer bin ich, wenn niemand hinsieht? Und wer darf ich sein, wenn alle mich sehen? Dorian Gray ist jung, schön und begehrt. Sein Äußeres öffnet ihm Türen, verschafft ihm Anerkennung, schützt ihn. Was dieses Bild stört – Schuld, Begehren, Alter – verschwindet. Es landet in einem Gemälde, das niemand sehen darf. Dort wird sichtbar, was Dorian nicht zeigen will. Außen bleibt er makellos, innen zerfällt er.

Oscar Wildes Roman zeigt eine Gesellschaft, die nur duldet, was schön aussieht. Abweichung ist nur erlaubt, solange sie sich dekorativ tarnt, uneindeutig bleibt. Wer dazugehören will, lernt, sich anzupassen, wer anderes begehrt, sich zu verbergen.

Dorians Geschichte ist kein fernes, viktorianisches Märchen. Heute verschwinden Widersprüche in Zahlen, Profilen und Marktwert. Wir glätten Biografien, filtern Emotionen, denn: Sichtbar sein heißt bewertet werden, unsichtbar sein heißt verschwinden. Wie lebt man mit dem Abstand zwischen der eigenen Sehnsucht und dem eigenen Bild?

Der norwegisch-finnische Regisseur Heiki Riipinen, ehemaliger Teilnehmer des Internationalen Regienachwuchsprogramms WORX am Berliner Ensemble, bringt "Das Bildnis des Dorian Gray" als modernes Mythenspiel auf die Bühne. Zwischen Begehren und Kontrolle, zwischen Selbstentwurf und Selbstverlust stellen er und sein Team sich die Frage: Was kostet es, man selbst zu sein?

"Unsicherheit und Freiheit, das ist dasselbe"

Ein Gespräch mit dem Maler Norbert Bisky

Dorian Gray ist schön, jung, begehrt. Er wünscht sich, nie zu altern — und sein Wunsch wird erhört. Das Porträt, das der Maler Basil Hallward von ihm gemalt hat, übernimmt die Last: Es altert, verfällt, entstellt sich mit jeder Sünde, die Dorian begeht. Er selbst bleibt makellos. "Das Bildnis des Dorian Gray" erschien 1890 und wurde offiziell stets als Parabel über die korrumpierende Macht von Schönheit und Jugend gelesen. Dabei ist die eigentliche Geschichte eine andere: das Begehren zwischen Männern, das bei Wilde zwischen den Zeilen lebt, weil es nirgendwo sonst vorkommen durfte. "Die Liebe, die nicht wagt zu sagen, wie sie heißt." Kein Zufall, dass der Roman auf dem Höhepunkt viktorianischer Prüderie und starrer gesellschaftlicher Konventionen ­ erschien. Wo das Reale reglementiert wird, wuchert das Fantastische. Freud hätte es eine "Verschiebung" genannt: Das Unbewusste findet seinen Ausdruck dort, wo man nicht hinschaut — in Fantasy, Märchen und Bildern. Der Maler Norbert Bisky kennt diesen Mechanismus aus einer anderen Spielart: Auch der Sozialismus produzierte seine Fantasmen, strahlende Helden, goldene Zukünfte — und verbarg dahinter den queeren Blick seiner Bilderschöpfer.

Heiki Riipinens Inszenierung kehrt diese Struktur um. Wie Biskys Malerei zeigt sie, was verdrängt wurde — was immer schon da war und nie so heißen durfte.

 

Das ganze Gespräch können Sie im Programmheft lesen.

Pressestimmen

"Bei Oscar Wilde hat er [Heiki Riipinen] seinen Fokus auf die gesellschaftliche Unterdrückung von queerem Begehren gelegt. Was dabei herauskommt, ist Theaterzauber."taz

"Eine eindrückliche, nachwirkende Inszenierung."Berliner Morgenpost

"Mit Oscar Wilde am Berliner Ensemble kann man sich mit sich selbst beschäftigen und einer Kunst hingeben, die sich von der Welt abwendet und sich ihr überordnet. Man entdeckt den Narzissmus in den Winkeln der eigenen Seele und mithin ein Stück Ähnlichkeit zu denen, die diese Welt zu einem Spielort der Groteske machen."Berliner Zeitung

"Er hat mit Max Gindorff einen statuesk schönen Dorian gemeißelt, der alles in diese Performance legt und beweist, dass auch Romane auf die Bühne gehören – wenn man sie so atemberaubend inszeniert."B.Z.

"Natürlich ist so eine Verzauberung höchst individuell. Aber sie scheint an diesem Abend viele zu erfassen. Nur, wie schaffen es Riipinen und sein Team, dass man nach zweieinhalb Stunden denkt: Schade, schon vorbei? Vermutlich liegt es am perfekten Zusammenspiel aller Gewerke, die dafür sorgen, dass man vollständig im Geschehen aufgeht."taz

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