Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

Von FJODOR MICHAILOWITSCH DOSTOJEWSKI
Übersetzung: Swetlana Geier, Fassung: Johannes Nölting
Fr 03.12.
20:00 Uhr
Ausverkauft
evtl. Restkarten an der Abendkasse
Neues Haus
Premiere
#Bekellerloch

Die geheiligte Moderne mit ihren großen Versprechungen von Demokratie, Emanzipation und Fortschritt bedeutet für den namenlosen Erzähler aus Dostojewskis Kellerloch vor allem eines: Leiden. Das grenzenlose Leben in der Großstadt, der Anspruch auf Freiheit und die Kostbarkeit des eigenen Lebensentwurfs – nämlich genau so leben zu können, wie man es möchte – scheinen doch am Ende sehr der eigenen Erfahrungswelt zu widersprechen. Stattdessen bleibt er isoliert, allein und gekränkt auf sich selbst zurückgeworfen. Aber gibt es das denn überhaupt, "freien Willen"? Kann man das überhaupt, "Leben nach eigener Vorstellung"? Oder ist das am Ende doch nur etwas für die "happy few", in einer Welt, die längst berechnet und verkauft ist? Der Graben zwischen moralischem Anspruch einer Gesellschaft und der tiefen Kränkung derjenigen, die sich davon nicht bedacht fühlen, führt geradewegs in eine unheilvolle Sensibilität, der scheinbar nur schwer anders als mit Wut, Empörung und Selbsterniedrigung begegnet werden kann. In einer Abrechnung und Annäherung gleichermaßen, die Selbstermächtigung und Glaubensbekenntnis ist, versucht Dostojewskis Protagonist, zu sich selbst und zurück zur Gemeinschaft zu finden. Fjodor Dostojewskis Roman Aufzeichnungen aus dem Kellerloch gilt als einer der ersten existenzialistischen Schriften und erschien 1864. Er fand Bewunderung bei Friedrich Nietzsche wie bei Albert Camus. Der Autor, gerade Entlassen aus der Lagerhaft in Sibirien, geplagt von epileptischen Anfällen und hoch verschuldet durch seine Spielsucht, geht dabei in seiner „psychologischen Studie“ keiner geringeren Fragen nach als denen, nach der Freiheit des Menschen und der Suche nach Gemeinschaft.

Besetzung & Regieteam