Brecht, Bernhard und drei Uraufführungen

Vorschau auf die Premieren der ersten Spielzeithälfte 2022/23 am Berliner Ensemble

Das Berliner Ensemble startet am 19. August in die Spielzeit 2022/23, die erste Premiere ist am 2. September. In der ersten Hälfte der Saison präsentiert das Berliner Ensemble insgesamt acht Premieren im Großen Haus und im Neuen Haus sowie zwei Premieren im Rahmen des neuen Nachwuchsförderprogramms Worx im Werkraum. Bis Januar 2023 zeigt das Berliner Ensemble neue Inszenierungen von Bettina Bruinier, Luk Perceval, Yana Ross und Suse Wächter, die alle zum ersten Mal am Berliner Ensemble arbeiten. Darüber hinaus inszenieren neben Intendant Oliver Reese die Regisseure Alexander Eisenach und Max Lindemann erneut am Berliner Ensemble sowie BE-Ensemblemitglied Tilo Nest, der Anthony Burgess‘ "A Clockwork Orange" in Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch im Neuen Haus erarbeitet.

Eine Übersicht über alle geplanten Premieren finden Sie hier.

 

Spielzeiteröffnung mit "Exil" und "Die Netzwelt" im September

Der belgische Regisseur Luk Perceval, der erstmals am Berliner Ensemble inszeniert, eröffnet die Spielzeit und bringt am 2. September Lion Feuchtwangers Gesellschaftspanorama "Exil" als großes Ensemblestück auf die BE-Bühne. Die Produktion musste pandemiebedingt verschoben werden. Bereits 2021 fand aufgrund der Verschiebung eine mehrwöchige Workshopphase mit dem Ensemble statt, woraus die 12-teilige Videoserie unter dem Titel "Exil/backstage" entstand. Begleitend zur Premiere gibt es im September einen Thementag zu Kunst, Exil und Vertreibung, kuratiert von Olga Grjasnowa.

Im Neuen Haus inszeniert Max Lindemann zu Spielzeitbeginn am 9. September Jennifer Haleys Kriminaldrama "Die Netzwelt", das die Fragen nach den moralischen Dilemmata untersucht, vor die uns die Technisierung unseres Alltags stellt: Was bedeutet die technologische Erweiterung der Welt und des Menschen für unser Leben – und was für unsere Freiheit?

Am 20. Oktober bringt BE-Intendant Oliver Reese Thomas Bernhards Gleichnis über die Kunst in einer kunstfeindlichen Welt "Der Theatermacher" auf die Bühne des Berliner Ensembles, in der Titelrolle ist Stefanie Reinsperger zu sehen. Thomas Bernhards Suche nach Bedeutung und Hoffnung in einer bedeutungs- und hoffnungslosen Welt ist eine Liebeserklärung an und ein Abgesang auf das Theater zugleich.

 

Zwei gegenwärtige Antworten auf Bertolt Brecht

Am 21. September hat im Großen Haus Suse Wächters "Brechts Gespenster" Uraufführung: In ihrer neuen Arbeit wird der Hausgott Bertolt Brecht von den zahllosen Gespenstern heimgesucht, die er in seinem langen Exil und bei seiner Wiederkehr an das Theater am Schiffbauerdamm getroffen hat. Mit einer Neuinterpretation von "Der Jasager und Der Neinsager" von Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill kehrt Autor und Regisseur Alexander Eisenach mit einem musikalischen Stück über "Die Vielleichtsager" in seiner vierten Arbeit ans Berliner Ensemble zurück, Uraufführung ist am 28. Oktober.

 

Yana Ross und Bettina Bruinier arbeiten erstmals am Berliner Ensemble

Die teils in Russland aufgewachsene litauisch-amerikanische Regisseurin Yana Ross ist große Kennerin und Verehrerin von Anton Tschechows Werk. Sie inszeniert im Großen Haus "Iwanow" nach Tschechow, Premiere ist im Januar 2023. Es gehört zu Ross‘ Arbeitsmethoden, kanonische Texte feinsinnig mit gegenwärtigen Diskursen und mit den Geschichten ihres Ensembles zu verweben und zu überschreiben. Sie ist derzeit Teil des festen Regie-Teams am Schauspielhaus Zürich und inszeniert diesen Sommer bei den Salzburger Festspielen. Künftig wird sie regelmäßig am Berliner Ensemble arbeiten.
Felicia Zellers Stück "Einsame Menschen", inspiriert von Gerhart Hauptmann, erzählt hochkomisch von der Einsamkeit einer Generation, die ihren Größenwahn mit Nachhaltigkeit vereinbaren will und mit Naturkult auf Naturzerstörung antwortet. Die Uraufführung am 7. Dezember im Neuen Haus inszeniert die Regisseurin Bettina Bruinier.

 

Nachwuchsprogramm Worx startet im August

Mit Beginn der Spielzeit 2022/23 startet das Berliner Ensemble ein eigenes Nachwuchsförderprogramm für junge Theatermacher:innen. Unter dem Titel "Worx" werden ab August zwei von einer Fachjury ausgewählte Regisseur:innen für ein Jahr am BE ihre künstlerische Heimat finden. Sie sind dazu eingeladen, den Werkraum zusammen mit dem Ensemble zu einem Labor für neue Stoffe und innovative Formate zu machen und ein eigenes, unabhängiges Repertoire zu entwerfen. Auf dem Spielplan stehen bis zum Ende der Saison vier Inszenierungen sowie Einzelprojekte und Reihen.

Übersicht Premieren und Uraufführungen 2022/23

 

"Exil"
Von Lion Feuchtwanger
In einer Bearbeitung von Luk Perceval und Sibylle Baschung
Regie: Luk Perceval
Premiere: 2. September 2022
Großes Haus

 

"Die Netzwelt"
Von Jennifer Haley
Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Duszat
Regie: Max Lindemann
Premiere: 9. September 2022
Neues Haus

 

"Brechts Gespenster"
Von Suse Wächter
Regie: Suse Wächter
Premiere: 21. September 2022
Großes Haus

 

"Der Theatermacher"
Von Thomas Bernhard
Regie: Oliver Reese
Premiere: 20. Oktober 2022
Großes Haus

 

"Die Vielleichtsager"
Von Alexander Eisenach
Regie: Alexander Eisenach
Uraufführung: 28. Oktober 2022
Neues Haus

 

"Einsame Menschen"
Von Felicia Zeller nach Gerhart Hauptmann
Regie: Bettina Bruinier
Premiere: 7. Dezember 2022
Neues Haus

 

"Clockwork Orange"
Von Anthony Burgess
Regie: Tilo Nest
In Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch".
Premiere: 13. Januar 2023
Neues Haus

 

"Iwanow"
Nach Anton Tschechow
Regie: Yana Ross
Premiere: 21. Januar 2023
Großes Haus

 

Stand: 5. Mai 2022

Die Premieren der zweiten Spielzeithälfte veröffentlichen wir Ende des Jahres.

 

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