Die Netzwelt

Von Jennifer Haley
Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Duszat
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Um der völligen Enthemmung im Internet entgegenzuwirken, ermittelt eine Netzwelt-Behörde in besonders fragwürdigen Fällen, um die immer weiter verschwimmenden Grenzen zwischen Virtualität und Realität zu durchleuchten. Denn: Immer mehr Menschen ziehen sich in die sogenannte "Netzwelt" zurück und lassen ihr weltliches Leben hinter sich. Hier können sie sich unzensiert und jenseits aller juristischer und moralischer Gesetze ausleben, während die "wirkliche" Welt um sie herum immer komplizierter zu werden scheint und mit immer neuen Regeln aufwartet. Kurz: hier können sie frei sein. Bei den Ermittlungen stößt Kommissarin Morris dabei auf eine Domain, auf der man virtuell pädophile Neigungen ausleben kann. Eine Grenzüberschreitung? Schließlich ist doch nichts geschehen: Es sind doch nur Bilder, nur Gefühle – und die sind nicht real. Oder doch? Was ist schon Realität? Hat unser Handeln nur da Konsequenzen, wo uns die Welt physisch berührt? Gilt Moral nur da, wo sie sich materiell auswirkt? Was bedeutet die technologische Erweiterung der Welt und des Menschen für unser Leben? Was für unsere Freiheit?

In ihrem Kriminaldrama "Die Netzwelt" (2013) verhandelt die US-Autorin JENNIFER HALEY die Fragen nach den moralischen Dilemmata, vor die uns die Technisierung unseres Alltags stellt. Für das Stück wurde sie mit dem The Susan Smith Blackburn Preis ausgezeichnet.

Ein Reiz des Digitalen liegt im Versprechen, sich den Zumutungen der Realität entziehen zu können; sein zu können, wer man "wirklich" ist, oder zumindest, wer man sein will. Dieses Versprechen beruht auf dem Versuch, sich an einen Ort zurückziehen zu können, der frei sei. Frei von Erwartungen, moralischen Vorschriften, Zuschreibungen; frei vom "Fremden", das uns durch "Andere" aufgezwungen wird. Nur für sich, fern aller Maßregelungen und aufgezwungenen Pflichten der Gesellschaft; Selbst- statt Fremdbestimmung. Doch wie frei kann man als Einzelne:r überhaupt sein? 

Ist der Rückzug auf sich selbst, in einen scheinbar konsequenzlosen Raum nicht ein Missverständnis? Lassen sich Probleme denn allein lösen? Liegt in der Vereinzelung ein Moment der Emanzipation, oder verliert sich in ihr nicht gerade das Geflecht von Beziehungen, das den Zugang zur Welt erst ermöglicht? Wer eine andere Welt will oder anders zu leben versucht, findet die Antworten möglicherweise nicht in einem post-sozialen Jenseits. Denn dieser ungreifbare Innenraum, den wir wahlweise Bewusstsein, Ich oder Identität nennen, entspringt dieser nicht immer der Welt, mit all ihren Beziehungen, ihrem Miteinander? Die Welt also, änderungsbedürftig womöglich, änderbar in jedem Fall, bräuchte dann konfliktfähige Beziehungen mehr als das Versprechen klar festgelegter Individualitäten, Netzwerke mehr als Parallelwelten. 

von Johannes Nölting

Trailer

Pressestimmen

"Regisseur Max Lindemann, Jahrgang 1989, konzentriert sich in seiner Inszenierung auf den argumentativen Schlagabtausch – und das Ensemble liefert ab. Allen voran Nico Holonics als schlauer, leicht schmieriger Mr. Sims im Psycho-Duell mit Kathrin Wehlisch als tough wirkende Ermittlerin mit brüchiger Fassade."Berliner Morgenpost

"Die moralischen Dilemmata der Technisierung unseres Alltags – ein sehr aktuelles Stück."Kulturnews

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