Drei Schwestern

Von Anton Tschechow
Deutsch von Angela Schanelec nach einer Übersetzung von Arina Nestieva
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117 Berlin
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  • 19.00 Uhr Einführung im Großen Salon.

    • zum letzten Mal in dieser Spielzeit

In der Welt der drei Schwestern verrinnt die Zeit zwischen Realitätsferne und Sehnsucht nach einer verklärten Vergangenheit. Sie träumen von ihrer Kindheit, als ihr Vater, der General, noch lebte und Europa noch in Ordnung zu sein schien. Olga, die Älteste, opfert sich – mit ständigen Kopfschmerzen – für ihren Beruf als Lehrerin auf, Mascha, die verheiratet ist, sehnt sich nach einer leidenschaftlicheren Liebe und stürzt sich in eine Affäre und Irina, die Jüngste, glaubt, dass nur Arbeit der Schlüssel zu einem besseren Leben ist, schläft aber lieber die Hälfte des Tages.

Doch die Dekadenz der Mittelstandslangeweile kann schnell von der gesellschaftlichen Wirklichkeit eingeholt werden: Die Regisseurin Mateja Koležnik versetzt Tschechows vorrevolutionäres Szenario mitten in das Militärgelände, welches im Stück nur im Hintergrund eine Rolle spielt. Die drei Töchter des toten Generals leben im Obergeschoss dieses Militärkomplexes, um sie herum werden rege Kriegsstrategien geplant, eine Privatsphäre haben sie nicht mehr und Birkenwälder existieren nur noch auf Fotografien. Als sich die Parallelwelt trotz allen Verdrängungswillens nicht mehr aufrecht halten lässt, wird Moskau zum Ziel der notwendigen Flucht, ein Sehnsuchtsort ist es längst nicht mehr.

Mateja Koležnik zählt zu den renommiertesten Regisseurinnen Sloweniens. Sie erzählt mit psychologischer Präzision und atmosphärischer Schärfe von Rissen zwischen dem Außen- und dem Innenleben der Menschen. Sie inszeniert regelmäßig am Burgtheater Wien und am Berliner Ensemble. 2023 war sie mit ihrer Bochumer Inszenierung "Kinder der Sonne" beim Berliner Theatertreffen eingeladen.

Parallelwelten

Die drei Schwestern träumen am liebsten von ihrer Kindheit, als ihr Vater, der General, noch lebte und Europa noch in Ordnung zu sein schien. Nun hoffen sie, dass ihr ­ Bruder Andrej die väterliche Rolle ersetzt, dieser jedoch verspielt ihr ganzes Hab und Gut. Zwischen Realitätsferne, Sehnsucht nach einer verklärten Vergangenheit und illusionären Zukunftsfantasien verrinnt die Gegenwart. Olga, die Älteste, ist zutiefst erschöpft von ihrem Beruf als Lehrerin, Mascha, die mit ihrem ehemaligen Lehrer verheiratet ist, sehnt sich nach leidenschaftlicher Liebe und stürzt sich in eine Affäre mit einem Oberstleutnant, und ­ Irina, die Jüngste, glaubt, dass nur Arbeit der Schlüssel zu einem besseren Leben ist, schläft aber lieber in den Tag ­ hinein. Doch der ermüdende Lebensüberdruss des Mittelstands kann schnell von der gesellschaftlichen Wirklichkeit eingeholt werden: Die renommierte slowenische Regisseurin Mateja Koležnik versetzt Tschechows vorrevolutionäres Szenario mitten in die Militärkaserne, welche im Stück selbst bloß im Hintergrund eine Rolle spielt. Die drei Töchter des toten Generals leben in diesem Militärkomplex; um sie herum werden längst Kriegsstrategien erörtert, eine Privatsphäre haben sie kaum noch und Birkenwälder existieren nur noch auf Fotografien. Als sich ihre Parallelwelt trotz allen Verdrängungswillens nicht mehr aufrechterhalten lässt, wird Moskau zum Ziel der notwendigen Flucht, ein Sehnsuchtsort ist es nicht mehr.

Von Amely Joana Haag

Pressestimmen

"Das BE hat hier den Tschechow für unsere Gegenwart auf die Bühne gebracht!"Tagesspiegel

"Hier wird Tschechow konsequent gegen den Strich gebürstet. Ohne dass der Klassiker dabei ramponiert wird. Aber mit ihm lässt sich doch eine kraftvolle Allegorie schaffen auf die heutige Krisenzeit und die Angst und Ohnmacht angesichts des neuen allgegenwärtigen Säbelrasselns. Chapeau. Ein Highlight der Saison."Berliner Morgenpost

"Die Kunst der Inszenierung liegt darin, wie neu, aktuell und anders der gute alte Tschechow, tausendfach gehört, hier klingt."Deutschlandfunk

"Das ist mit so viel Tempo und Genauigkeit inszeniert, hat Witz und Ernst gleichermaßen, dass zwei Stunden wie im Flug vergehen. Das liegt auch an dem überragenden Ensemble, auf das man am Schiffbauerdamm zurückgreifen kann: von Stammkräften wie Constanze Becker, die man lange nicht mehr so gut gesehen hat, bis zu überzeugenden Neuzugängen wie Sebastian Zimmler."Die Welt

"Der sentimentale, melancholische Tschechow-Ton, der sonst von jeder Bühne schallt, ist hier einem direkten, schwarzhumorigen, schamlosen und heutigen Klang gewichen, ohne die Sprache grundlegend zu verändern. Äußerst erfrischend."rbb Inforadio

"Überhaupt gehört es zur großen Könnerschaft Mateja Koležniks, dass ihre bitteren Diagnosen nie larmoyant, sondern immer in aller Genauigkeit von sehr trockener Komik sind."Süddeutsche Zeitung

"Von wegen gestrig! Dieser Tschechow von Mateja Koležnik verströmt das Flair des Kalten Krieges und passt damit genau in unsere Epoche der 'Zeitenwende'. Mit Schauspiel der Extraklasse geht er über die Bühne des Berliner Ensembles."nachtkritik.de

"Mateja Koležnik gelingt es, die leicht lächerlichen Schwestern, die die Realität verdrängen, nicht moralisch zu verurteilen. Sondern uns mit ihnen augenzwinkernd und beinahe liebevoll einen Spiegel unserer eigenen Verdrängungsleistung vorzuhalten."rbb24

"In einer kalten Militärwelt prallen Sehnsucht, Selbsttäuschung und drohende Katastrophe aufeinander – beklemmend nah an unserer Gegenwart: Anton Tschechows 'Drei Schwestern' in der Regie von Mateja Koležnik am Berliner Ensemble zeigt ein elektrisiertes Schauspieler:innentheater zwischen Stillstand und Eskalation."Theater der Zeit

"Eine großartige Choreografie hat Koležnik da auf die Bühne gebracht. Alles ist ständig in Bewegung, alle Aktionen greifen ineinander."B.Z.

"Koležnik gelingt mit diesem Abend etwas absolut Verblüffendes: Sie schafft – und zwar nicht nur optisch durch Klaus Grünbergs Bunker-Bühnenbild, sondern auch subkutan, im Spiel – ein Ambiente von Bedrohung, mentaler Kriegspräsenz und permanenter Alarmbereitschaft, das über konkrete Kriegsszenarien weit hinausweist und in dem Tschechow so gegenwartsdurchlässig klingt wie schon lange auf keiner Theaterbühne mehr."Tagesspiegel

"Ein starker Abend. Und eine starke Neuinterpretation."Berliner Morgenpost

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