Gott ist nicht schüchtern

Uraufführung
von Olga Grjasnowa
Di 17.11.
19:30 Uhr
Mi 18.11.
19:30 Uhr
  • with English surtitles
Großes Haus
1 Std 40 Min
Keine Pause
Premiere
#BEschuechtern

Damaskus 2011: eine vitale Stadt mit lebhaften Einkaufsstraßen, gentrifizierten Wohnvierteln und einem pulsierenden Kultur- und Nachtleben. Und mit Menschen, die friedlich für Reformen demonstrieren. Als vor bald zehn Jahren die Proteste gegen Assads autokratisches Regime begannen, mochte sich niemand vorstellen, dass Syrien wenig später in Schutt und Asche versinkt. Viele wähnten die Freiheit zum Greifen nah, alles schien möglich, es herrschte eine Stimmung, die von Hoffnung und Aufbruch getragen war. In dieser Situation beginnt die Geschichte von Amal, Youssef und Hammoudi: Letzterer hat soeben seine Ausbildung zum Schönheitschirurgen in Paris abgeschlossen, Amal hat ihre erste Hauptrolle in einer Telenovela gespielt und verliebt sich auf den Demonstrationen in Youssef, einen Regiestudenten der renommierten Hochschule für Darstellende Künste in Damaskus. Sie alle werden auf unterschiedliche Art und Weise in die bis heute andauernde Gewaltspirale hineingezogen, müssen nach und nach ihre Gewissheiten, Vorstellungen und Träume überdenken und der neuen Situation anpassen. Wie schnell Menschen auch aus ihren privilegierten Verhältnissen gerissen werden können, so dass sie irgendwann keine andere Wahl mehr haben als alles aufzugeben, davon erzählt Olga Grjasnowas eindrücklicher Roman, den sie für die Bühne bearbeitet hat. Ihre Sprache stellt dieser existenziellen Erfahrung keine Metaphern in den Weg, alltäglich, nüchtern, stetig fortschreitend begleitet sie die Figuren in einen Alptraum, der bis heute Realität ist.

"Wir wollen von unserem Staat nur das, was auch der Rest der Welt von ihm verlangt. Wir möchten doch nur Veränderungen, nicht den Sturz des Regimes. Vielleicht kommt es nicht so weit“, sagt Amal. Und: "Die Welt wird nicht wegschauen.“

Unter den Augen der Weltöffentlichkeit findet in Syrien seit bald zehn Jahren ein Stellvertreterkrieg statt, der bislang an die 400.000 Tote forderte. Ungefähr 12 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Mit Olga Grjasnowas sorgfältig recherchiertem Text versuchen Regisseurin Laura Linnenbaum und das Ensemble einen Blick auf die Anfänge zu werfen und sich Geschichten zu nähern, die nicht so weit weg sind, wie einige leichtfertigerweise vielleicht glauben mögen.

Seit 2011 ist Laura Linnenbaum freie Regisseurin und inszeniert u.a. in Hannover, Berlin, Dresden, Düsseldorf und Frankfurt. 2016 zeichnete sie als Kuratorin und künstlerische Leiterin für das Theatertreffen "Unentdeckte Nachbarn“ in Chemnitz verantwortlich, das 2017 mit dem Chemnitzer Friedenspreis ausgezeichnet wurde. 2017 wurde sie für die Uraufführung von "Homohalal" am Staatsschauspiel Dresden in der Zeitschrift Theater heute als Regisseurin des Jahres nominiert. "Homohalal" wurde außerdem zu den 43. Mülheimer Theatertagen eingeladen.

Besetzung & Regieteam

 

Pressestimmen

6 Pressestimmen

"Es ist sehr viel Spannung im Raum und Olga Grjasnowa beschreibt die Brutalität des Regimes mit Wucht, vermeidet aber trotzdem allen Kitsch und schreibt ganz schnörkellos."

Deutschlandfunk Kultur

"Der Abend entfaltet eine Aktualität, die im Gedächtnis haften bleibt."

RBB Kultur

"Wahnsinnig intensiv!"

RBB Kultur

"Laura Linnenbaum gelingt es eine Dramatik zu erzeugen, Bilder zu schaffen, ohne aber konkret Gewalt auf der Bühne zu zeigen."

Deutschlandfunk Kultur

"Die Spieler zeigen uns, was man aufs Spiel setzt, wenn man Freiheit einfordert, und wie es ist sein Leben aufs Spiel zu setzten - ein sehr beklemmender und unter die Haut gehender Abend im BE."

RBB Kultur

"Olga Grjasnowa erzählt diese Geschichte im raschen Perspektivwechsel und in einer nüchtern-distanzierten Sprache, die den gewaltsamen Zerfall einer ganzen Zivilisation noch plastischer hervortreten lässt."

Berliner Morgenpost

"Gott ist nicht schüchtern" entsteht im Rahmen des Autoren-Programms, ermöglicht durch die