Nachruf auf Jürgen Holtz

Jürgen Holtz

Als ich am Sonntag, dem 21. Juni meinem guten Freund Theodoros Terzopoulos in Athen mitteile, dass Jürgen Holtz verstorben sei, schrieb er: "This is the end of a whole era". Für Terzopoulos, der selbst während der Militärdiktatur in Griechenland Regieassistent am Berliner Ensemble war, ist der Name Jürgen Holtz untrennbar mit jener Theatergeschichte dieses Landes verbunden, die mit dem Namen Bertolt Brecht und dem Berliner Ensemble anhebt. Brechts Idee der Bühne als einem politisch relevanten Freiraum, in dem die gesellschaftlichen Motoren des Verhaltens und die Gründe der Haltungen sichtbar werden, brachte ein ebenso breites wie ambitioniertes Spektrum unverwechselbaren Künstlersignaturen hervor, die das deutsch –deutsche Theaterleben prägen und ungemein für die kommenden Jahrzehnte bereichern sollten. Jürgen Holtz 2014: "Im Grunde geht es um eine Kombination von Denken und Spiel. Denken kann man nur, wenn man frei ist, auf der Bühne und im Zuschauerraum. Wer bedrängt wird, kann nicht frei denken." Wie Brecht ein philosophisches Theater forderte, insistierte Holtz auf den denkenden Schauspieler als Basis artistischer Souveränität. Brecht legte den Grundstein, das Textbehandlung, Schauspielkunst, Anekdoten, ja sogar das Atmen in Monologen oder Dialogen eine politische Dimension besitzen, die vom Schicksal der Welt nicht zu trennen sind.

Legendär jene Inszenierung von "Fräulein Julie" 1975, als das Regieduo B. K. Tragelehn/Einar Schleef den wohl größten Theaterskandal der Intendanz Ruth Berghaus‘, wenn nicht des DDR – Theaters überhaupt auf die Bühne brachten. Jutta Hoffmann spielte das Fräulein Julie, Jürgen Holtz den Diener Jean. Nach der Generalprobe wurde die Inszenierung abgesetzt, dann aufgrund der Intervention von Berghaus-Ehemann Paul Dessau wieder zugelassen: "Schließlich – wir hatten uns alle tief betrunken vor Verzweiflung – durften wir die Premiere doch noch spielen. Jutta Hoffmann und ich erzählten uns Witze: Es klingelt, ein junger Mann steht vor der Tür. 'Bitte?' fragt die Frau, die aufmacht. 'Ja, Guten Tag, Frau Fischer, ich würde gern mit ihrer Tochter fischen gehen'. Da antwortet die Frau: 'Das können wir gerne machen, aber wir heißen nicht Fischer, wir heißen doch Vogel.' Totenstille im Zuschauerraum. 1975 in der DDR. Dann fing oben im ersten Rang einer an zu glucksen und kicherte immer mehr, bis er sich in ein Gelächter erbrach und den nächsten ansteckte. Schließlich brüllte der ganze Zuschauerraum. Da war plötzlich ein Moment von Erlösung und Freiheit. Er war greifbar. Folgte der nächste: Steht ein Schwein vor einer Steckdose und sagt: 'Komm raus, du feige Sau.' Am liebsten hätten sich alle umarmt; das fand dann draußen statt zur Premierenfeier. Danach haben wir nach jeder Vorstellung bis morgens um sieben gesessen, mit den Zuschauern gesoffen und geredet. Das besaß als Ganzes eine politische Qualität und eine Perspektive".

Im Juli 2019 hatte uns Terzopoulos zu einem kleinen Theaterfestival nach Delphi eingeladen, das in jenem Jahr dem Begründer des Odin-Theaters Eugenio Barba gewidmet war. Holtz sollte eine Sentenz aus der Hölderlin-Übersetzung 'Ödipus auf Kolonos' vortragen. Auftakt eines größeren Traums einer Aufführung 2020 dieser Tragödie über den exilierten Greis in Epidauros oder einer ähnlich markanten Spielstätte in Griechenland. Doch schon die Lesung sollte nicht mehr stattfinden. Die Stimme des 86 – jährigen Holtz' war verschwunden und sollte nicht mehr zurückkehren.

Dabei hatte er noch wenige Wochen zuvor am 21. Juni 2019, genau ein  Jahr vor seinem Tod,  bei den Internationalen Brechttagen in Leipzig aus dem "Galilei" gelesen, jener Paraderolle, mit der er noch im Januar am Berliner Ensemble Premiere gefeiert hatte. Die Brechtforscher aus aller Welt waren enthusiasmiert. Dis Diskussionen hielten bis in den späten Abend an.

Im Nachhinein macht es durch Sinn und "höhere Bedeutung" – so eine Formulierung von Theaterautor Christian Dietrich Grabbe -, dass dieses Leben mit einer gloriosen Brechtrolle enden sollte. Aber wie hatte diese Beziehung angefangen? Als Jürgen Holtz mit 16 Jahren noch als Schüler wegen einer Ungerechtigkeit, die seinem links eingestellten Rektor widerfuhr, in den Osten ging und seine Eltern in Reinickendorf zurückließ, kehrte auch Brecht in diesen Teil Deutschlands zurück. Obwohl dessen Theater am Berliner Ensemble bald Triumphe feiern sollte, blieben Brechts ästhetische Theoreme in der DDR in den 50er bis in die 60er Jahre höchst umstritten, widersprachen sie doch den Maximen eines sozialistischen Realismus, den die Partei zum verbindlichen Kunstprogramm erhoben hatte. "Auf der Schauspielschule hatte ich einen Freund, Kurt Veth, der mich nach Brandenburg holte, wo er Spielleiter geworden war. Er brachte etwas Ordnung in meinen Wust von Talent und Absichten. Diese Ordnung ist Brecht. Veth hatte bei Brecht assistiert und kannte das Berliner Ensemble von A bis Z. Er schlug mir vor, eine Rolle in der Vergangenheitsform oder eine Rolle in meinem Dialekt zu spielen. Das waren Anweisungen, die mir gefielen. Ich fand mich im Gefühlstheater nicht gut zurecht."

Anschließend ging Holtz nach Greifswald, wo er auf den Regisseur Adolf Dresen traf, mit dem er sich nicht nur theoretisch über die Axiome und Weichenstellungen des epischen Theaters auseinandersetzen konnte. Beide experimentierten insbesondere mit deren bühnenpraktischer Anwendung. Noch Jahrzehnte später, anlässlich der monumentalen Wallenstein-Inszenierung Peter Steins 2007, in der Jürgen Holtz der Titelfigur, gespielt von Klaus Maria Brandauer Paroli bot, entging dem Kritiker Gerhard Stadelmeier nicht, auf welchem geistigen Fundament die Schauspielkunst des Rivalen errichtet ist: "Jürgen Holtz als Buttler, erst eiskalt-fanatischer Gefolgsmann Wallensteins, dann dessen eiskalt-fanatischer Todfeind. Ein aus der Brecht-Schule kommender, scharfer Kommentarspieler, der immer wie staunend zynisch neben seinen Rollen zu stehen scheint, rückt dem Buttler derart auf die Pelle, dass dessen Bruchstellen und Brutalitäten glänzen und schillern wie die Glatze des seinen Stock als Richterschwert schwingenden Holtz. So wird jede kleine Szene zu einer eigenen großen Geschichte."

BE Galileo Galilei

Als Holtz 2019 mit 85 Jahren als Galileo Galilei auf der Bühne des Berliner Ensembles steht, handelt es sich also um einen weiteren Meilenstein und – wie wir heute wissen – Schlussstein einer Schauspielerbiographie die einmal unter dem Stern Brecht aufgegangen war. Auf ganz wunderbare Weise verleiht Holtz – von Regisseur Frank Castorf befeuert – Brechts sattsam bekannten Theatertext eine unverhoffte Frische. Unten im Parkett hatte man – so die Kritikerin Christine Wahl – "plötzlich das Gefühl, man höre diese Sätze zum ersten Mal."

Holtz reüssiert als Kind und Greis in einer Person bzw. einem Körper. Mit einer Wendung Antonin Artauds, einem anderen Textgeber dieses Abends gesagt, er ist der tatsächliche bzw. leibhaftige gewordene "Anarchist auf dem Thron". Ein Jahr zuvor, in der Inszenierung Frank Castorfs von "Les Misérables" brillierte Holtz, der selber ein Stück namens "König Kacka" verfasst hat, mit einen Monolog über die Kloaken von Paris. Holtz trägt nicht einfach nur die entsprechenden Passagen aus "Die Elenden" von Victor Hugo vor. Vielmehr hat er zuvor dessen Romanprosa einer akribischen Textarbeit unterzogen. Silbe für Silbe wird abgewogen, gestrichen, umgestellt, neu übersetzt, Komma für Komma auf seine Funktion hin analysiert, bis Jürgen Holtz die Abhandlung über das Abwassersystem der französischen Hauptstadt in einen Gesang verwandelt hat. Statt auf psychologische Pointen oder Techniken. mit denen der Schauspieler seiner Figur einen unverwechselbaren Drall gibt, vertraut dieser Protagonist auf den Text und setzt dessen Musikalität frei. "Klar ist, der Schauspieler trägt nicht den Text, sondern der Text trägt den Schauspieler. Der Text ist das Schiff.", so Holtz 2014. 1993 wurde er für diese Präzision der Textbehandlung bei der Umsetzung des Monologs "Katarakt" von Rainald Goetz zum Schauspieler des Jahres gewählt.

In "Galilei" geht es um das Versagen der Wissenschaft, um ihren kometenhaften und vielversprechenden Anfang und ihren Sündenfall, den der wissenschaftsgläubige Brecht spätestens mit der Atombombe eingetreten sieht. Holtz spielt den großen Schlußmonolog Galileis als eine Beichte, in dem er über sich selbst Rechenschaft ablegt und zu keinem günstigen Urteil in Bezug auf die Rolle der eigenen Person gelangt. Als ginge hier die Aufklärung mit sich selbst ins Gericht zieht Holtz einen Schlussstrich über die Selbsttäuschungen und verlorenen Hoffnungen der Jahrhunderte und insbesondere seines Jahrhunderts. 

BE_Les Misérables

Auch als Bischof Myriel in "Les Misérables" gibt er ein großes Beispiel. Nicht nur weil er in der Rolle des Bischofs den rückfällig gewordenen Sträfling Jean Valjean verschont. Vielmehr gelingt es ihm, einen älteren Menschen darzustellen, der den Tod nahen fühlt und noch für einige Stunden die Sonne betrachten möchte, eine größtmögliche Würde zu verleihen. Dessen Größe stellte Holtz her, indem er den Zeitfluss der Bühne verlangsamt.

Plötzlich hält die Zeit der Aufführung inne und scheint auf der Stelle zu stehen. Zudem wußte er, wovon er sprach.

Als wir vor ein paar Monaten im Februar zusammenkamen, – im Dezember hatte der katastrophale operative Eingriff stattgefunden –, fragte ich ihn, ob das überhaupt erlaubt sei, als ich ihn einen Schluck Rotwein trinken sah. Seine Antwort: "Ich darf den Ärzten nicht erlauben über meinen Tod zu bestimmen. Ich hole ihn mir damit zurück!"

Kein Nachruf auf diesen Schauspieler darf seine Zusammenarbeit mit Robert Wilson unerwähnt lassen, mit dem er bereits 1990 als Gloster in dessen Frankfurter Lear-Inszenierung zusammengearbeitet hatte. In der Rolle des Bettlerkönigs Peachum kehrte er 2007 an das BE zurück. Die 300. Aufführung dieser "Dreigroschenoper" sollte im Dezember 2018 im Haus bejubelt werden. Unvergessen seine Auftritte in "Shakespeares Sonette" des amerikanischen Regisseurs oder in Samuel Becketts "Endspiel" 2016 als Nagg, mit dem sich der Regisseur vom BE verabschiedete.  Zu den besten Szenen der deutschen Theatergeschichte zählt der Dialog von Martin Wuttke und Jürgen Holtz in Heiner Müllers legendären Aufführung "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Holtz, der die Rolle von einer Staffel großer Kollegen übernahm, die auf Bernhard Minetti, die Original Besetzung 1995 folgte, erteilt dem amtlichen Bühnengiganten Martin Wuttke Schauspielunterricht. Ein singuläres Filetstück zeitgenössischer deutscher Schauspielkunst ist das Resultat dieses Zusammenspiels.

Ihren ersten Höhepunkt 1964 feierte seine Karriere im Theater Greifswald. Holtz hatte seinen Durchbruch als Hamlet, als er wie von Sinnen über die Bühne raste und aus Versehen den Falschen ermordete. Alles mit höchster Präzision. Regie führte Adolf Dresen. Die Szene wird auf ihn aufmerksam und pilgerte nach Mecklenburg in die Stadt an der Ryck. Darunter Tragelehn, Benno Besson, Heiner Müller. Nach Greifswald ging Holtz nach Berlin ans Deutsche Theater. Hier konnte er seine umstrittene Arbeit mit Adolf Dresen fortsetzen. Bei einem kurzen Ausflug an die Volksbühne eckte er nachhaltig mit Sauhirt "Moritz Tassow" (Regie: Benno Besson) in dem gleichnamigen Stück von Peter Hacks an, was bald zur Absetzung des Stückes führte. 1974 wechselte er ans BE, spielte mit dem Lehrer in Berghaus' Inszenierung von Bertolt Brechts "Die Mutter" wieder eine politisch äußerst exponierte Rolle und schrieb mit Tragelehn, Schleef und Jutta Hoffmann Theatergeschichte. Der Horizont verdunkelt sich zusehends mit dem weiteren Wechsel 1977 an die Volksbühne. Intendant Benno Besson warf 1978 hin und kehrte der DDR den Rücken; Holtz erkrankte Ende der 1970er Jahre schwer. Monate in denen sich Heiner Müller intensiv um den Schauspielerfreund/Kollegen kümmert. "Er hat versucht mich zu heilen", erinnert sich Holtz, nachdem wider Erwarten die Rekonvaleszenz gelingt. 

Man kann dieses Schauspieler-Schicksal ohne den geschichtlich politischen Kontext nicht verstehen. Holtz der, wie er selbst sagt "als glühender Kommunist" in jenen Landesteil gegangen war, der ab 1949 als DDR firmierte, trat mit großer Überzeugung in die SED ein. Wer einen Blick auf die zahllosen Bilder wirft, an denen Holtz noch bis in die letzten Monate zeichnete, trifft überall auf die Spuren der Gewalt. Der Zweite Weltkrieg hatte sich in diesen Körper eingeschrieben und trieb als ein Zentrum fortwährender Unruhe diesen Künstler an. Zwar hatte sich der real existierende Sozialismus dem Ende der Gewalt und dem Weltfrieden verschrieben, doch mit 1968, dem Einmarsch des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei war die Diskrepanz zwischen ideologischen Ansprüchen und Realpolitik nicht mehr zu übersehen. Die Hoffnung auf eine sozialistische Alternative zerstob. Was als Traum begann, wuchs sich zum Trauma aus. Auch nachdem Holtz 1983 endgültig in den Westen gegangen war, gibt ihn der Strudel der Geschichte, in den Holtz in seinen Jugendjahren geraten war, nicht frei. Zu sehr ist er mit den historischen Katastrophen und politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts verwachsen, wozu insbesondere dieses seltsame, auf dem Gebiet des Theaters ungemein fruchtbare Gebilde DDR gehörte. Alles andere als Zufall, dass Holtz ausgerechnet durch die satirische Fernsehserie "Motzki" eine bundesdeutsch vereinigte Popularität erlangte. Diese Neuauflage von Ekel Alfred, ebenfalls aus der Feder von Wolfgang Menge, nahm systematisch die deutsch-deutschen Verhältnisse aufs Korn. Signifikant auch seine Engagements in Kinofilmen wie der DDR-Komödie "Good Bye, Lenin!" oder Margarethe von Trottas Porträtfilm "Rosa Luxemburg". 

Hatte Holtz früh in Adolf Dresen einen ebenbürtigen Gesprächspartner gefunden, um mit der politischen Lage zugleich Stücktexte wie Spielweisen zu analysieren, ging er im Gefolge des Greifswalder Hamlet eine enge Beziehung mit Heiner Müller ein. Müller hatte Brechts Traum von einem philosophischen Theater mit einer so noch nicht bekannten Bild- und Metaphernsprache modifiziert und auf eine neue, in Deutschland seither nicht mehr eingeholte Höhe gehoben. Spiel und Denken, kühne Bilder, grandiose Phantasmagorien und ein analytisches Durchdringen der Welt, führten politische Haltungen und ästhetisches Handeln zusammen. Als Holtz in der Spielzeit 1980/81 im dritten Stock der Volksbühne Heiner Müllers „Der Auftrag“ mit Regisseur Müller zur Uraufführung brachte – Holtz verkörperte die Rolle des Verräters Debuisson – fielen Sätze, die den Untergang der DDR vorwegnahmen und nach 1989 ihren prophetischen Charakter verifizierten: "Was glotzt ihr. Unsre Firma steht nicht mehr im Handelsregister. Sie ist bankrott. Die Ware, die wir zu verkaufen haben, zahlbar in der Landeswährung, Tränen Schweiß, Blut, wird auf dieser Welt nicht mehr gehandelt". 1982 erfolgt die Premiere im Westteil des Landes. In Bochum. Wieder führt Müller Regie. Wieder spielt Holtz den Debuisson. In Bochum hatte Jürgen Holtz bereits 1981 die Dramaturgin Katharina Hill kennengelernt, als er mit Libgart Schwarz in Heiner Müllers "Quartett" (Regie. B. K. Tragelehn) besetzt war. Zwar kam die Aufführung nie zustande, aber 1988 heiraten Katharina Hill und Jürgen Holtz. Mit seinem Wechsel 1983 in die Bundesrepublik beginnt eine Odyssee, die ihn zum Residenztheater München führte, zum Theater Frankfurt, nach Mannheim und schließlich 2007 zurück an das Berliner Ensemble, seinem Heimathafen führt. 

Die Auseinandersetzung mit der verloschenen Utopie bzw. dem stornierten Auftrag, dem er zur doppelten Uraufführung verhalf, sollte nie aufhören. "Aber hier ist etwas leer, das hat gelebt!", erinnert sich ein ehemaliger Revolutionär an die Tage seiner Leidenschaft. 2015 liest Holtz Müllers "Der Auftrag" in Amsterdam. Er verleiht einem Satz wie: "Ich fürchte mich, Sasportas, vor der Schande, auf dieser Welt glücklich zu sein" durch pure Präsenz eine wuchtige Fremdheit, die es mit dem auf Konsum und Hedonismus getrimmten Weltinnenraums des Kapitals aufnehmen kann.  

Nach der Lesung resümiert er: "Die Leute wollen gar keine Banalität. Überall werden sie mit Trivialitäten abgespeist. Das Theater muss dagegen halten". Weitere Lesungen des Müller Stücks folgen –  in Köln, am BE, in Greifswald und der europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw. Tatsächlich geht mit diesem Schauspieler wie Terzopoulos konstatierte eine Ära zu Ende. Sie basierte auf dem Anspruch, mit Theater die Welt zu erfassen. Ein phantastischer Traum, den Jürgen Holtz bis zum Ende lebte. 

 

Berlin, 26. Juni 2020, Frank Raddatz