Fokus: Gender

Querdenken, Gegenfragen, Widerspruch, Einspruch

Das Berliner Ensemble setzt sich in dieser Spielzeit mit den Produktionen "Revolt. She said. Revolt again. / Mar-a-Lago." (Regie Christina Tscharyiski), "Eine griechische Trilogie" (Regie Simon Stone) und "Wheeler" (Regie Oliver Reese, Premiere: Dezember 2018) mit der Frage nach modernen Geschlechterbildern auseinander und fragt nach den Voraussetzungen und Strukturen eines gleichberechtigten Miteinanders, nach gesellschaftlicher Gleichheit und Solidarität.

Hier finden Sie die nächsten Veranstaltungen des Themenschwerpunkts:

 

EIN THEMENTAG ZU PATRIARCHAT UND MACHT
AM 10.2.

Ist die Krise der Gegenwart eine Krise der Männlichkeit? Welche Geschlechterbilder gebiert der aktuelle Rechtsruck? Wie könnte eine post-patriarchale Gesellschaft aussehen? Und was hat all das mit „toxischer Männlichkeit“ zu tun? Über Macht zu reden ist schwer, sie abzugeben noch schwerer. Für eine solidarische und egalitäre Gesellschaft ist es jedoch unerlässlich, genau das zu tun. Der Thementag wirft Schlaglichter auf verschiedene Aspekte aktueller Geschlechterdebatten und rahmt die Inszenierungen Eine griechische Trilogie, Wheeler und Revolt. She Said. Revolt Again / Mar-A-Lago., die auf unterschiedliche Arten Geschlecht, patriarchale Strukturen und Machtmissbrauch in den Fokus nehmen. Nach dem Spielzeitauftakt mit den Gastspielen „Mother“, „Don't Worry Be Yoncé“ und der Podiumsdiskussion „Gleichheit in der Kunst“ führt das Berliner Ensemble mit dem Thementag die Reihe „Fokus: Gender“ fort.

Kuratiert von Tobias Kluge

 

12.00 – 13.30 UHR KLEINES HAUS
MÄNNERPHANTASIEN REVISITED

1977/78 leistete Klaus Theweleits fulminante Aufklärungsschrift Männerphantasien eine Aufarbeitung der (prä-)faschistischen Verhältnisse, speziell des faschistischen Männertypus. Gut 40 Jahre später findet das Buch einen neuen dringlichen Hallraum in einer Gegenwart, in der ein führender AfD-Politiker sagt: "Wir müssen unsere Männlichkeit wieder entdecken. Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft. Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft […].“ Nach einer Auftakt-Keynote von Klaus Theweleit wird das Podium sich u.a. den Fragen stellen: Welche Formen, Klischees und Ideale von Maskulinität strukturieren und legitimieren heutige Politik und Gesellschaft? Ist die Krise der Gegenwart eine Krise der Männlichkeit? Sind die aktuellen Heimat- und Migrationsdebatten männliche Zugehörigkeitsphantasien?

Klaus Theweleits „Männerphantasien“ erscheint im März 2019 in einer Neuauflage bei Matthes & Seitz.

Mit Naika Foroutan, Klaus Theweleit, Margarete Stokowski

Moderation Margarita Tsomou

Der Eintritt ist frei.

 

14.00 – 14.45 UHR KLEINES HAUS
PRETTY WHEN YOU CRY

Was für Frauenfiguren haben das Drama und das Theater in den letzten 2500 Jahren hervorgebracht? Dieses wild aus Texten des Dramenkanons zusammengesampelte Stück ist das Empowerment eines Frauenchores, der den Finger in die Wunde sexistischer und misogyner Rollenzuschreibungen legt und nicht mehr willens ist, nach den männlichen Regeln zu leben und zu handeln. #thefutureisfemale

Von und mit Barbara Colceriu, Aysima Ergün, Therese Lösch, Milena Schedle, Sarah Quarshie (Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch)

Im Anschluss findet ein Nachgespräch unter der Leitung von Tobias Kluge statt.

Der Eintritt ist frei.

 

15.00 – 17.00 UHR
WAS IST (TOXISCHE) MANNLICHKEIT?

Was ist typisch männlich? Was nicht? Gibt es ein „zu viel“ an Männlichkeit, das die Wurzel allen gesellschaftlichen und politischen Übels ist? Was macht uns zum Mann – oder zur Frau? Wo finden wir alternative Rollenangebote jenseits stereotyper Rollenzuschreibungen? Der Workshop ist ein Denk- und Handlungsangebot für Interessierte aller Geschlechter, die sich kritisch mit dem eigenen Selbst und dem Thema Maskulinität und seiner gesellschaftlichen Einschreibungen auseinandersetzen möchten.            

Leitung Florian Fischer

Die Führung kostet 5 Euro pro Person, ermäßigt 3 Euro.

 

17.30 – 19.00 UHR KLEINES HAUS
WAS KOMMT NACH DEM PATRIARCHAT?

In Zeiten von Debatten über strukturelle Ungleichheit und Benachteiligung wollen wir mit einer juristischen, politikwissenschaftlichen und aktivistischen Perspektive fragen: Wie könnte die feministische Vision einer egalitären Zukunft aussehen? Gibt es so etwas wie das Post-Patriarchat? Welche Formen von herrschaftsfreiem Raum sind denk- und umsetzbar? Welche gesellschaftlichen und politischen Strukturen der Gegenwart verhindern die absolute Gleichberechtigung?

Mit Lucy Chebout, Karen Taylor, Sabine Hark

Moderation Sonja Eismann

Der Eintritt ist frei.

 

20.00 - 22.00 UHR KLEINES HAUS
WHEELER
von Tracy Letts

Wenn man in der Garage der Exfrau auf einem Ausziehsofa schläft und der eigene Sohn die Kommunikation auf ein Grunzen reduziert hat – dann ist es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel. Der gallig­-liebenswürdige Fotofachangestellte Wheeler ist 50 und am Nullpunkt seiner Existenz angelangt: Was jetzt kommt, kann nur besser oder der Anfang vom Ende werden. Mit dem Umzug in eine eigene Wohnung wagt Wheeler den Neustart und muss feststellen: Die Abwärtsspirale ist nicht aufzuhalten.

Tracy Letts hat nach "Eine Frau – Mary Page Marlowe" erneut ein Stück über die in ihrer Allgemeingültigkeit berührende Biogra­fie eines Durchschnittsmenschen geschrieben, das die Frage stellt: Warum zerstören wir so oft das Richtige und dürsten im­mer wieder nach dem Falschen? Warum sind alte Muster stets verführerischer als der aufrichtige Wunsch nach Veränderung und für welche Verheißungen und Ideale sind wir bereit, uns der Lächerlichkeit und Verletzbarkeit preiszugeben? Letts’ unverstellt komischer Blick auf die Lebensrealität eines weißen, heterosexuellen Mannes, der stets um das Richtige bemüht ist und immer wieder das Falsche tut, befragt das Selbstbild und die gesellschaftliche Stellung einer Identität, die sich nicht nur im Amerika Donald Trumps permanent in der Krise befindet.

Der Autor und Schauspieler Tracy Letts ist Pulitzer­-Preisträger und seziert in seinen Stücken mit einem scharfen Blick das gegenwärtige Amerika. Aktuell laufen am Berliner Ensemble seine Stücke "Eine Frau – Mary Page Marlowe" (Regie: David Bösch) und "Eine Familie" (Regie: Oliver Reese).

Mit freundlicher Unterstützung von