Totentanz

Von August Strindberg
Nach einer Bearbeitung von John von Düffel
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117 Berlin
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Kennen Sie "Lost"? Eine der meist diskutiertesten Mystery-Serien der Nullerjahre? Auf einer Insel abseits aller Verkehrsrouten steht ein Computer, der angeblich das Ende der Welt verhindert. Das Programm kann dadurch am Laufen gehalten werden, indem alle 108 Minuten ein Code eingegeben wird. Eine Situation, die die wenigen Menschen, die dort noch leben, gefangen hält.

Was das mit "Totentanz" zu tun hat? Für Regisseur Kay Voges ist Lost das inspirative Bindeglied zwischen Strindberg und Beckett. Gilt Strindbergs "Totentanz" (1900) einerseits als Ur-Drama aller Beziehungsdramen, so war es zugleich Vorlage für Becketts absurdes Theater und trägt Spuren eines mystischen Symbolismus. Von Beckett her gesehen wirkt Strindbergs "Totentanz" wie eine bösartige Komödie über die Sinnlosigkeit eines auf Rivalität und Kampf basierenden Verhältnisses zu anderen Menschen und zu der Welt – einer Welt, die so, wie wir sie kennen, nicht mehr existiert. Eine Welt, die zu der lebensfeindlichen Umgebung geworden ist, die der Haltung entspricht, mit der man ihr begegnete. Alice und Edgar, das seit einer gefühlten Ewigkeit lustvoll um sich selbst kreisende, sich bekriegende Paar; Kurt, der Dritte im Bunde, der nicht an den Kampf als lebenswertes Prinzip glaubt, und das Endspiel eines überkommenen Beziehungsmodells: "Es ist zu Ende." – "Wenn es doch so wäre!"

 

KAY VOGES, Regisseur und Intendant am Volkstheater in Wien, macht sich mit dem Ensemble und seinem Team auf die Suche nach dem absurden Humor in den Abgründen von Abhängigkeit, Selbstbehauptung und Vergänglichkeit. Nach "Die Parallelwelt" (2018) kehrt Voges nun zurück ans Berliner Ensemble.

VON AUGUST STRINDBERG 
Nach einer Bearbeitung von John von Düffel 

Die Insel liegt abseits der Schifffahrtsrouten und Flugschneisen, man kann sie nicht einfach verlassen oder erreichen. Außerdem finden sich auf der Insel elektromagnetische, klimatische, spatiotemporale (raumzeitliche) Besonderheiten, bei denen selbst Faraday (einer der bedeutendsten Experimentalphysiker des 19. Jahrhunderts) die größten Denkschwierigkeiten bekommt.“ Was der Filmkritiker, Poptheoretiker und Autor Dietmar Dath hier beschreibt, ist nicht die Verortung von Strindbergs Totentanz (1900), sondern von Lost,einer vieldiskutierten Mystery-Serie der Nullerjahre. Für Regisseur Kay Voges ist sie inspiratives Bindeglied zwischen Beckett und Strindberg: Seit mehr als zwanzig Jahren leben Alice und Edgar in einem Festungsturm auf einer Quarantäneinsel. Es gibt längst keinen Burgunder mehr, keinen Weinkeller, kein Brot und keine Dienstboten, der Kontakt zu Freunden und Familie ist seit langem abgerissen, die Kinder sind weg. Was bleibt, ist die Wiederholung. Seit einer gefühlten Ewigkeit kreist das Paar narzisstisch um sich selbst: Tagtäglich fordern sie sich heraus, provozieren sich in ihren Schwächen, üben sich in Dominanz über den jeweils anderen. Ein absurdes Paar in einer absurden Welt. Zurückgeworfen auf sich selbst und die Frage nach den Triebkräften ihres Tuns. Konfrontiert mit einer unberechenbaren Natur, den Untiefen des Meeres und der Seele. Zwischen Bezwingung und Ausgeliefertsein. Folgt man den Überlegungen zum Absurden von Albert Camus, so muss man sich die beiden als glückliche Menschen vorstellen. Ihr Zusammenleben haben sie aus freien Stücken zu ebendiesem Spiel gemacht. Sie sezieren gleichsam wollüstig, was an Aggressionspotenzial in ihnen rumort. „Kämpfen, treten, um sich schlagen bis zum letzten Atemzug“ ist die Lebensphilosophie, der sie alles unterwerfen. Auch der gemeinsame Jugendfreund Kurt, der nach 15 Jahren zu Besuch kommt, wird zum Spielball in einem Spiel, das keines mehr ist, sobald der Tod am Zug ist. Ein Endspiel – denn darauf wird gewartet: auf das Ende. So heißt es in der Eingangsphase von Totentanz: „Es ist zu Ende.“ Und dann: „Zu Ende? Wenn es doch so wäre.“ •

Sibylle Baschung

 

Pressestimmen

"Kay Voges inszeniert Strindbergs 'Totentanz' am Berliner Ensemble als lustige und wahre Groteske."Süddeutsche Zeitung

"Was wirklich funktioniert, ist wie die drei großartigen Darsteller Claude De Demo, Marc Oliver Schulze und Gerrit Jansen, ihre Rollen im Grunde zu komödiantischen Rollen umbauen und wie sie sich da wirklich mit großem Genuss hineinbewegen, die einzelnen Szenen auskosten."Deutschlandfunk Kultur

"Der Regisseur und außerdem Intendant des Wiener Volkstheaters Kay Voges legt den Abend als Groteske an, als schrilles, absurdes Lebensspiel mit Thriller-Elementen."RBB Kultur

"Weil Kay Voges so ein extrem cooler Regisseur ist, ist der Abend gleichzeitig sehr komisch, ziemlich grausam und bei allen comichaften Überhitzungen des frühen Pop-Dichters Strindberg natürlich auch sehr wahr."Süddeutsche Zeitung

"Es sind gerade die Absurditäten und Sinnlosigkeiten und das Spiel mit beidem, was er ins Zentrum seiner Inszenierung stellt."Berliner Morgenpost

"Der Abend ist ein Seiltanz auf der Grenze zwischen Recht und Unrecht. Sehenswert!"B.Z.

Trailer

Backstage-Einblicke

Was hat Totentanz mit der Mystery-Serie „Lost“ zu tun?

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