BRECHT, MÜLLER UND ERSTE STÜCKE AUS DEM AUTOREN-PROGRAMM

VORSCHAU AUF DIE PREMIEREN DER ZWEITEN SPIELZEITHÄLFTE 2018/19 AM BERLINER ENSEMBLE

Zeitgenössische Dramatik über aktuelle Themen und eine Beschäftigung mit der Geschichte des Hauses bestimmen in der zweiten Hälfte der Spielzeit 2018/19 das Programm des Berliner Ensembles. Auf dem Spielplan stehen von Januar bis Juni 2019 insgesamt acht Neuinszenierungen von Frank Castorf, Laura Linnenbaum, Antú Romero Nunes, Nicole Oder, Árpád Schilling, Veit Schubert, Lars-Ole Walburg sowie die zweite Produktion des Hausregisseurs Michael Thalheimer in dieser Saison.

Darunter sind vier Uraufführungen, zu denen auch die ersten beiden Stücke des Autoren-Programms gehören: Im Autoren-Programm entwickeln neben DramatikerInnen u.a. auch FilmemacherInnen und RomanautorInnen neue Stücke für das Berliner Ensemble von der Idee bis zum fertigen Stück in enger Zusammenarbeit mit dem Theater.

 

GENIUS LOCI: BRECHT UND MÜLLER

Im Januar stehen gleich zwei Brecht-Premieren auf dem Programm: Am 19. Januar ist im Großen Haus die Premiere von Frank Castorfs Inszenierung "Galileo Galilei - Das Theater und die Pest" von und nach Bertolt Brecht mit Musik von Hanns Eisler. In der Titelrolle ist BE-Urgestein Jürgen Holtz zu sehen, der nach "Les Misérables" nun zum zweiten Mal mit Castorf arbeitet. In Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch inszeniert BE-Schauspieler Veit Schubert Brechts "Die Antigone des Sophokles", Premiere ist diesen Samstag, 12. Januar im Kleinen Haus. Dem Leben und Wirken von Heiner Müller, der neben Brecht zu den prägendsten Künstlerpersönlichkeiten des Berliner Ensembles zählt, widmet sich das neueste Stück von Fritz Kater mit dem Titel "heiner 1-4 (engel fliegend, abgelauscht)". Regie führt Lars-Ole Walburg, Uraufführung ist am 26. Januar.

 

ERSTE STÜCKE AUS DEM AUTOREN-PROGRAMM

In der zweiten Spielzeithälfte werden auch die ersten beiden Stücke, die im Autoren-Programm entstanden sind, zur Uraufführung kommen: Am 22. Februar ist Premiere von "Kriegsbeute", das der Filmemacher Burhan Qurbani zusammen mit dem Drehbuchautor Martin Behnke geschrieben hat. Beide haben bereits gemeinsam das Drehbuch zum Film "Wir sind jung. Wir sind stark." geschrieben, der vielfach ausgezeichnet wurde. In ihrem ersten Theatertext bringen sie die Geschichte einer deutschen Waffenhändlerfamilie auf die Bühne, Regie führt Laura Linnenbaum. Mit "Amir" von Mario Salazar folgt am 27. April das zweite Stück aus dem Autoren-Programm. Salazar erzählt von einem palästinensischen Migranten, der mit seiner Familie in Neukölln lebt und von einem besseren Leben träumt – frei von Kriminalität, Stigmatisierung und Existenznöten. Inszeniert wird das Stück von Nicole Oder, Mitglied der Künstlerischen Leitung des Heimathafens Neukölln.

 

NEUE INSZENIERUNGEN VON ÁRPÁD SCHILLING, MICHAEL THALHEIMER UND ANTÚ ROMERO NUNES

Der ungarische Theatermacher Árpád Schilling, der in seinem Heimatland aufgrund seiner politischen Arbeiten zum "Staatsfeind" erklärt wurde, inszeniert erstmals am Berliner Ensemble. Sein neues Stück, das er für die SchauspielerInnen des BE geschrieben hat, befasst sich mit den innerhalb einer Gesellschaft von Menschen unterschiedlicher sozialer Milieus auftretenden Fragen, Konflikten und Grenzen und stellt dabei die Frage nach gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Solidarität. Uraufführung ist am 15. März im Großen Haus.

Hausregisseur Michael Thalheimer wird seine Auseinandersetzung mit Shakespeare fortsetzen und inszeniert nach Heiner Müllers "Macbeth"-Bearbeitung nun mit "Othello" einen weiteren späten Tragödienstoff von Shakespeare. Premiere am 13. April. Zum Abschluss der Spielzeit widmet sich Antú Romero Nunes, der vergangene Spielzeit bereits "Caligula" am Berliner Ensemble inszenierte, in seiner zweiten Arbeit einer der bekanntesten deutschen Geschichten: "Max und Moritz" von Wilhelm Busch. Mit viel Musik wird er die Streiche der beiden als Bösebubengeschichte für Erwachsene inszenieren, Premiere ist am 22. Mai im Großen Haus.

 

THEMATISCHE REIHEN & EXTRAS U.A. MIT ULRIKE GUÉROT UND MICHEL FRIEDMAN

Am 9. November beteiligte sich das Berliner Ensemble beim europaweiten Balcony Project. Ausgerufen wurde die Vision eines solidarischen und demokratischen Europas, die der Politik in ihrer bürokratischen Sprache kaum zu vermitteln gelingt. Im Hinblick auf die Frage nach der konkreten Umsetzung dieser Vision blieben jedoch viele Fragen offen, denen das Berliner Ensemble in einer neuen Gesprächsreihe mit dem Titel "Europa anders machen" bis zur Europa-Wahl im Mai 2019 nachgehen will. Zum Auftakt der Reihe am 13. Februar stellen sich Ulrike Guérot (Gründerin des European Democracy Lab) und Fabio De Masi (stellvertretender Fraktionsvorsitzender DIE LINKE) die Frage: "Ein Europa für wen?".

Daneben setzt das Berliner Ensemble den Themenschwerpunkt "Fokus: Gender" fort: Ein Thementag befasst sich am 10. Februar mit verschiedenen Aspekten aktueller Geschlechter- und Gesellschaftsdebatten rund um patriarchale Strukturen, Machtmissbrauch und Geschlechterrollen. Gäste sind u.a. Margarete Stokowski, Naika Foroutan und Klaus Theweleit.

Und in der Reihe "Friedman im Gespräch" sind bis Ende der Spielzeit u.a. Kardinal Reinhard Marx und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck zu Gast und stellen sich dem Gespräch mit Gastgeber Michel Friedman zu den Themen "Glauben!" (10. Januar) und "Identität!" (14. Februar).