Vorschau auf 2020

Die Premieren der zweiten Spielzeithälfte 2019/20 am Berliner Ensemble

In der zweiten Hälfte der Spielzeit 2019/20 stehen vier Uraufführungen auf dem Spielplan des Berliner Ensembles, darunter das neueste Stück von Erfolgsautor Ferdinand von Schirach. Von Januar bis Mai 2020 zeigt das Berliner Ensemble insgesamt acht Neuinszenierungen: Im Großen Haus inszenieren bis Spielzeitende Andrea Breth, Frank Castorf, Michael Thalheimer sowie Intendant Oliver Reese und im Neuen Haus Stef Lernous, Laura Linnenbaum, Bernhard Mikeska und Alexander Simon, der mit Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch im Neuen Haus "Fahrenheit 451" erarbeitet (Premiere am 9. Januar).

Mit der Neuinszenierung von Yasmina Rezas "Drei Mal Leben" kehrt Regisseurin Andrea Breth zurück ans Berliner Ensemble. Sie probt aktuell mit Constanze Becker, Judith Engel, Nico Holonics und August Diehl Rezas Komödie, die am 16. Januar Premiere hat. Im Großen Haus folgt im Februar Rainer Werner Fassbinders "Katzelmacher" in einer Inszenierung von Hausregisseur Michael Thalheimer, der nach seiner Inszenierung von Karl Schönherrs "Glaube und Heimat" zu Beginn dieser Spielzeit seine Auseinandersetzung mit Mechanismen von  Ausgrenzung und Gewalt fortsetzt.

 

Neue Inszenierungen von Oliver Reese und Frank Castorf

Nachdem Oliver Reese bereits die Uraufführung von Ferdinand von Schirachs erstem Theaterstück "Terror" inszenierte – eines der meistgespielten Stücke der letzten Jahre –, wird er nun auch auf Wunsch des Autors ebenfalls sein neues Drama "Gott" erstmals auf die Bühne bringen. Mit dem Thema Sterbehilfe stellt sich Schirach damit erneut einer hochaktuellen Grundsatzdebatte unserer Zeit. Das Berliner Ensemble wird die Uraufführung am 25. April, die zeitgleich auch am Düsseldorfer Schauspielhaus in der Regie von Robert Gerloff stattfindet, mit einer inhaltlich angebundenen Gesprächsreihe rahmen.

In seiner neuen Inszenierung für das Berliner Ensemble widmet sich Frank Castorf mit der Dramatisierung von Erich Kästners "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" einem großen Berlin-Stoff, Premiere ist am 28. März. Erst 2013 erschien Kästners Roman in der unzensierten Urfassung unter seinem intendierten Titel "Der Gang vor die Hunde", die die Basis für Castorfs Auseinandersetzung mit dem Stoff liefert. Es spielen u.a. Andreas Döhler, Jonathan Kempf, Sina Martens, Wolfgang Michael und Marc Hosemann.

 

Drei Uraufführungen im Neuen Haus

Im Neuen Haus erwarten das Publikum drei Uraufführungen von Stef Lernous und Olga Grjasnowa sowie des Kollektivs Raum+Zeit um Regisseur Bernhard Mikeska: Der belgische Autor und Regisseur Lernous, der zum ersten Mal am Berliner Ensemble arbeitet, schreibt Alfred Jarrys weltberühmte Groteske des mordenden Egomanen König Ubu neu und versetzt ihn in unsere Zeit. Die Titelrolle spielt Tilo Nest, Uraufführung von "Ubu Rex" ist am 13. Februar. Und Laura Linnenbaum inszeniert die Uraufführung von Olga Grjasnowas "Gott ist nicht schüchtern" am 2. April: Auf Basis fundierter Recherchen erzählt Grjasnowa die fiktive und doch wahrhaftige Geschichte einer jungen Schauspielerin und einem Arzt im Syrien der Jahre 2011 und 2012. Amal und Hammoudi, beide in durchaus privilegierten Verhältnissen lebend, sehen sich unvermittelt mit der ausgreifenden Gewalt einer autoritären Regierung konfrontiert und vor die Frage gestellt, wie sie sich dazu verhalten sollen. Olga Grjasnowa wird ihren Roman in Zusammenarbeit mit dem Regieteam und dem Ensemble für die Bühne dramatisieren. 

Zum Abschluss der Spielzeit (Uraufführung am 7. Mai) erforschen Regisseur Bernhard Mikeska und Raum+Zeit mit "Berlau :: Königreich der Geister" im Neuen Haus in einer 360°-Installation das Leben Ruth Berlaus, einer Mitarbeiterin und langjährigen Gefährtin Bertolt Brechts. Sie setzen damit die Beschäftigung mit Bertolt Brecht fort, die nach wie vor einen wichtigen Platz im Spielplan des Berliner Ensembles einnimmt.

 

Thementag "Entsicherte Gesellschaft?" und Gesprächsreihen im Werkraum

Nach Thementagen zu 30 Jahren Nachwendezeit und dem Erstarken rechter Kräfte in der ersten Spielzeithälfte veranstaltet das Berliner Ensemble am 26. Januar unter dem Titel "Entsicherte Gesellschaft?" einen Thementag anlässlich des 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie es heute um das Bewusstsein der Gefährdung steht: Wie viel Kraft hat das Gedenken an Auschwitz noch heute? Wie steht es um die Aufklärung? Wie lässt sich das Wiederaufflammen von Nationalismus und Antisemitismus angesichts des allseitigen Versprechens des "nie wieder" erklären?

Im Werkraum spricht in der Reihe "Linke Melancholie" Bernd Stegemann in der zweiten Spielzeithälfte u.a. mit der Soziologin Cornelia Koppetsch und in Rahmen der Gesprächsreihe "Bündnisse bilden" trifft Sebastian Friedrich u.a. auf Clara Meyer von Fridays for Future und den Philosophen Guillaume Paoli. Michel Friedman begrüßt im Februar im Großen Haus Autor Bernhard Schlink und spricht mit ihm über den "Preis der Freiheit".

Rückblick Theaterjahr 2019